12. Dezember 2011 - 15:15 Uhr

Reportage: Das Zollamt in Flensburg

Das Zollamt Flensburg kontrolliert den Warenverkehr aus und nach Drittländern (Foto:Benjamin Nolte)
Der Großteil der Arbeit wird heute digital, also über den PC abgewickelt (Foto:Benjamin Nolte)
Jeden Tag erreichen das Zollamt dutzende Pakete aus Drittländern (Foto:Benjamin Nolte)
die für eine bestimmte Zeit im Zollamt aufbewahrt werden (Foto:Benjamin Nolte)
bis der Empfänger sein Paket oder Versandstück abholt (Foto:Benjamin Nolte)
Außentermin auf dem Gelände der Firma Nord Schrott (Foto:Benjamin Nolte)
Hier werden stichprobenartig Container kontrolliert, die für den Export in Drittländer bestimmt sind (Foto:Benjamin Nolte)
Die Abfertigungsstelle Flensburg Hafen direkt an der Innenförde (Foto:Benjamin Nolte)
Flensburg (bno) - Was genau macht eigentlich der deutsche Zoll? Wir wollten dieser Frage mal etwas genauer auf den Grund gehen und hatten bereits vor einigen Monaten ein Team der Finanzkontrolle Schwarzarbeit bei ihrer Arbeit begleitet. Vor einigen Wochen haben wir einen zweiten, großen Bereich der täglichen Zollarbeit unter die Lupe genommen, die Arbeit des Zollamtes Flensburg.

Bis vor kurzem gehörten zum Zollamt Flensburg, welches dem Hauptzollamt Itzehoe unterstellt ist, noch drei Dienststellen. Zum einen der Dienstsitz des Zollamtes in der Straße Kielseng, die Abfertigungsstelle Hafen, nur wenige Meter Luftlinie entfernt und der Abfertigungsplatz im dänischen Padborg. Die Dienststelle in Padborg wurde jedoch im Sommer 2011 endgültig geschlossen, nachdem in den 90er Jahren durch den Wegfall der Grenzen das Personal bereits drastisch reduziert worden ist.

3000 LKW täglich

Ehemals arbeiteten im dänischen Padborg in der Abfertigungsstelle des deutschen Zolls rund 160 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Früher wurden hier rund 3.000 LKW pro Tag abgefertigt, bis zur Schließung arbeiteten hier oftmals nur noch zwei Kollegen. LKW, die zum Beispiel in den Hamburger Hafen fahren wollen um den Container auf ein Schiff mit Zielort in einem Drittland zu verladen, können auch das Zollamt in Flensburg anfahren um Waren anzumelden. Früher war es so, dass LKW mit Containern die für den Export bestimmt waren, zum Beispiel aus Harrislee, zunächst ins dänische Padborg fahren mussten um dort alle notwendigen zollrechtlichen Formalitäten zu erledigen um dann im Anschluss zurück nach Deutschland zu fahren. Nichtsdestotrotz ist die Anzahl der LKW, die in Flensburg eine zollrechtliche Behandlung benötigen drastisch gesunken und benötigt bei weitem nicht mehr das Personal, wie noch vor 20 Jahren.

100 Millionen Zollabfertigungen

Hauptaufgabe des Zollamtes in Flensburg ist die Abfertigung des Warenverkehrs in und aus Drittländern (nicht EU-Staaten). Deutsche Unternehmen führten im Jahr 2010 Waren im Wert von 381 Milliarden Euro in Nicht-EU-Staaten aus. Aus diesen Staaten wurden nach Deutschland Waren im Wert von rund 294 Milliarden Euro eingeführt. Deutschlandweit wickelte der Zoll 2010 100 Millionen Zollabfertigungen ab und erhob dabei 4,4 Milliarden Euro Einfuhrzölle. Unternehmen im Einzugsbereich des Zollamtes Flensburg müssen ihre Waren, die sie aus der EU ausführen bzw. aus Drittländern einführen somit beim Zoll anmelden.

Nicht selten landet Post beim Zoll

Des Weiteren werden beim Zollamt Flensburg auch Postpakete abgefertigt. Privatpersonen, die Waren aus Drittländern einführen müssen diese beim Zoll anmelden und gegebenenfalls Zölle und Umsatzsteuer bezahlen. Lässt man sich beispielsweise ein Paket aus China oder Japan schicken, so ist davon auszugehen, wenn die Rechnung oder der Zahlungsbeleg nicht außen angebracht ist, dass dieses zunächst beim Zollamt landet und man das Paket dort abholen muss. Nicht nur auf die zu entrichtenden Abgaben richtet der Zoll sein Augenmerk bei eingeführten Waren aus Drittländern. Von Interesse ist auch, ob gegebenenfalls Artenschutzbestimmungen verletzt werden, sich Drogen in den Paketen befinden oder ob es sich bei Produkten um Plagiate (Verletzungen von Markenrechten) handelt. Täglich erreichen das Zollamt Lieferungen von Post- und Paketzustellern mit Versandstücken aus Drittländern, die nicht über die notwendigen Rechnungen oder Zahlungsbelege auf der Außenseite verfügen. In einem extra Raum werden die Pakete gelagert und warten dort auf die Abholung durch den Empfänger oder einen Bevollmächtigten. Holt der Empfänger das Paket nicht ab, so muss es an den Absender zurückgeschickt werden. Noch immer wissen viele Bürger nicht, dass auch auf in einem Drittland gekaufte Ware Steuern zu entrichten sind. Den Umweg des Paketes über das Zollamt kann man sich nur dann sparen, wenn ein Zahlungsbeleg außen am Paket angebracht ist, somit eine Verzollung vorgenommen werden kann und die Auslieferung dann über den Zusteller erfolgen kann. In den meisten anderen Fällen muss der Empfänger das Paket im Beisein der Zöllner öffnen und vor Ort im Zollamt die gegebenenfalls anfallende Abgaben entrichten.

Kontrolle des Warenverkehrs

Von 7.30 Uhr bis 16.00 Uhr, Freitag bis 14.30 Uhr, ist das Zollamt täglich geöffnet. "Alle ehrlichen Leute kommen zu uns", so ein Zöllner zu seiner Arbeit. "Wir werden selten von uns aus tätig, wir warten darauf, dass jemand zu uns kommt." Egal wie groß oder klein eine Firma ist, Waren, die in die EU eingeführt werden, müssen verzollt werden. Beim Export prüft der Zoll die eventuell notwendigen Genehmigungen für die Warenausfuhr.
Die Arbeitsweise hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert, ist für beide Seiten einfacher geworden. Mittlerweile gibt es elektronische Systeme, die den direkten Kontakt zwischen dem Zoll und dem aus- oder einführenden Unternehmen nicht mehr oft notwendig machen. "Der Warenverkehr soll vom deutschen Zoll so wenig wie möglich behindert werden. Allerdings können wir nicht immer verhindern, dass es trotzdem passiert", so Thomas Gartsch, Pressesprecher des Hauptzollamtes Itzehoe.

Nord Schrott exportiert 9.000 Container pro Jahr

Die Flensburger Wirtschaft ist stark ausfuhrlastig, dass bedeutet das mehr Waren exportiert, als importiert werden. Einer der größten Exporteure Flensburgs ist die Firma Nord Schrott, die jährlich etwa 9.000 20-Fuß-Container exportiert. Davon benötigen etwa 4-5tausend pro Jahr eine zollrechtliche Behandlung, gehen somit in Drittländer. Fast 90% dieser Container mit Schrott aus Flensburg gehen in Richtung Fernost, 10% Richtung Indien oder Malaysia. Auch hier geschieht die Abfertigung dieser zu exportierenden Güter elektronisch. Der Exporteur, hier die Firma Nord Schrott übermittelt die Daten der Container elektronisch an das Flensburger Zollamt. Firmen, die über einen längeren Zeitraum all ihre Exporte ordnungsgemäß mit dem Zoll abwickeln, können sogenannte Zollvereinfachungen erhalten, was die Exportverfahren dann deutlich beschleunigt. Dennoch werden auch Firmen wie Nord Schrott stichprobenartig kontrolliert. Bei einer derartigen Kontrolle wird dann vor Ort, beim exportierenden Betrieb geprüft, ob der angemeldete Container auch wirklich die Ware enthält, die auf den Papieren deklariert ist. Die Zöllner vom Zollamt Flensburg bringen nach erfolgter Kontrolle eine Plombe am Container an, so dass dieser ungehindert auf Reisen gehen kann.

Kontrolle des Luft- und Seeverkehrs

Ebenfalls zum Aufgabenbereich des Zollamtes Flensburg, bzw. der Abfertigungsstelle Hafen gehört die Grenzabfertigung. Hier sitzen, wie in der Grenzabfertigung vorgeschrieben, bewaffnete Zollbeamte und überwachen den Seeverkehr in Flensburg, aber auch den Luftverkehr am Flugplatz Schäferhaus. Zehn Kollegen in zwei Schichten überwachen Seeschiffe im gewerblichen Verkehr, Frachtschiffe, aber auch Sportboote und Wassersportfahrzeuge. Drittländische Flugzeuge, die in Flensburg landen wollen, werden ebenfalls vom Zollamt Flensburg abgefertigt und unterliegen ähnlichen Kontrollen wie auf den großen deutschen Flughäfen. Auch der Hafen in Langballig fällt in den Zuständigkeitsbereich der Abfertigungsstelle. Die Zöllner gehen an Bord der Schiffe, die Flensburg aus einem Drittland anlaufen und kümmern sich dort um die zollrechtliche Behandlung der Waren. Die Abfertigungsstelle Flensburg-Hafen ist täglich von 7.00 - 22.00 Uhr besetzt. Außerhalb der Öffnungszeiten des nahegelegenen Zollamtes übernimmt die Abfertigungsstelle auch eine Art Servicefunktion und übernimmt dann auch Abfertigungen, die nicht im eigentlichen Zuständigkeitsbereich liegen.

[F]Hier finden Sie den ersten Teil der Reportage über den Zoll in Flensburg:
Finanzkontrolle Schwarzarbeit[/F]

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