11. April 2013 - 19:39 Uhr

Grußwort des Oberbürgermeisters anlässlich der Verkehrsministerkonferenz im Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg

Oberbürgermeister Simon Faber (Foto: Alexander Thomsen)
Sehr geehrter Bundesminister, Sehr geehrte Minister der Länder, sehr geehrte Damen und Herren,
toll, dass die Konferenz der Verkehrsminister erstmalig hier in Flensburg zu Gast ist. Denn Sie liegen mit der Wahl des Veranstaltungsortes hier bei uns in Flensburg goldrichtig: Mittendrin in einem Teil Europas, der sich seit dem Fall der Mauer und in der jüngsten Finanzkrise als ausgesprochen starker Wirtschaftsraum erweist.

Kopfseitig / Nördlich von uns die stabilen und reichen Volkswirtschaften Skandinaviens mit etwa 20 Mio. Bürgern. Von hier aus im KBA direkt vor uns der Ostseeraum, der mit Polen und dem Baltikum zu den dynamischen Aufsteigern zählt, und südlich von Flensburg – quasi als Rumpf angeschlossen, das auch für die Nachbarländer immer attraktivere Deutschland. Genau an der Grenze zwischen zwei der erfolgreichsten Wirtschaftsräume Europas – dem mitteleuropäischen und dem nordisch- baltischen, liegen wir auch sonst mitten in den Ressourcen der Zukunft.

Zu allererst verfügen wir über gut ausgebildete Fachkräfte. Aber auch potente Energiequellen der Zukunft sind in Reichweite: Sowohl regenerative, als auch fossile, die on- und offshore gewonnen werden können. Wir liegen strategisch günstig auf dem Weg zu neuen Schiffsrouten durch das Nordmeer und all das inmitten einer Forschungslandschaft, die an Hochschulen zwischen Hamburg, Kiel, Flensburg, Århus, Ålborg und dem Øresund weltweites Profil in den Bereichen Energie, Geologie, Medizin, Maritimer Kompetenz und Ingenieurskunst zeigt.

Für die deutsch-dänische Region baut Flensburg seine Rolle als eine Art Großstadt der Region Stück für Stück aus: Unsere Krankenhäuser versorgen z.T. auch den süddänischen Raum, unsere zwei Hochschulen begeben sich mit ihren Partner in DK auf den Weg zu einer „Europa-Universität“, und potente mittelständische Unternehmen vermarkten von Flensburg aus überregional oder sogar weltweit ihre Produkte. Unser Flensburger Fahrzeuge, Fähren, Frachtschiffe, klassische Yachten oder auch Silberbesteck ist weltweit präsent, unser Recycling-Profi Nord-Schrott eröffnet in wenigen Wochen ein zweites Standbein in Mumbai und unser Bier kennen Sie ohnein (sonst spätestens heute abend!), wobei ich unseren global agierenden Erotikversand Orion gar nicht ansprechen wollte....

Was sich hier nachts auch immer abspielen mag: Flensburg wächst – und das ist fast ein Alleinstellungsmerkmal in unserem Bundesland. Gerade haben wir die 90.000 Einwohner-Marke geknackt, die 100.000 sind das nächste Ziel.
Nicht nur 90 - 100.000 Flensburger, sondern mehrere Millionen Menschen leben entlang der Nord-Süd-Verbindung, die die Metropole Hamburg mit ihrem nördlichen Hin- terland verbindet.

Ich habe lange Jahre in Skandinavien gelebt und genau mitbekommen, wie diese Nachbarländer Deutschland nicht mehr als kranken Mann bedauern, sondern als wirtschaftliche Lokomotive bewundern. Damit verbunden ist allerdings auch eine intensivere Beobachtung. Auch die skandinavischen Medien schauen genauer hin – auf unseren Flughafenbau in Berlin ebenso wie auf unsere globale Schifffahrtsstrasse, die die Dänen den Kaiser-Wilhelm- oder auch den Kieler Kanal nennen. Und auch bei uns stößt die generelle Bewunderung Deutschlands an konkrete Grenzen, wenn unsere Gäste aus DK sich mit der Bahn zwischen der Universitätstadt Aarhus, unserem Flensburg und der internationalen Metropole Hamburg bewegen. Vielleicht haben einige von Ihnen dies persönlich erleben dürfen: Weder das Reisetempo oder die doch arg provinziellen Bahnhöfe taugen heute als Visitenkarte, als gelungener Einstieg in das wirtschaftlich und kulturell reizvolle Nachbarland.
So kann es auch nicht zu einer verkehrspolitisch wünschenswerten und klimagerechteren signifikanten Verlagerung von Verkehren auf die Schiene kommen.
Die aktuelle dänische Atkins-Studie, die Vorschläge für eine Höchstgeschwindig-
keitsstrecke Aarhus – Hamburg via Kiel macht, mag von manchen Verkehrsplanern auf deutscher Seite belächelt werden. Manche werden sich aber erinnern: Die dänischen Pläne für die feste Fehmarn-Belt-Querung wurden einst auch von vielen belächelt.

Sehr geehrte Minister, es gehört natürlich zum Wesen gerade ihres Amtes als Verkehrsminister, dass die Wunschlisten stets den Finanzrahmen überschreiten. Das geht OBs übrigens ähnlich...
Wichtig erscheint mir es mir aber dennoch, den europäischen Gedanken gerade in der Infrastruktur zu leben. Nicht umsonst ist diese Nord-Süd Verbindung Bestandteil des Ten-T Netzes der Europäischen Union, in dem die wichtigsten Europäischen Transportachsen abgebildet sind. Nutzen Sie also die Chance, hier am Konferenzstandort Flensburg auch darüber zu beraten, wie Deutschland sich leistungsfähig und modern mit seinen nördlichen Nachbarn verbindet. Mit der bestehenden deutsch-dänischen Verkehrskommission (Dänemark / Schleswig-Holstein) verfügen wir auch bereits über eine kompetente Struktur, die Kooperationsmöglichkeiten auf- greifen kann.

Nutzen Sie auch die Chance, sich heute abend darüber auszutauschen, wie man aus dem gegebenen Finanzrahmen schnell und möglichst gute Projekte generiert. Der Vergleich mit dem Nachbarn lohnt immer: Wer schaut, welche Brücken- und Straßenbauprojekte Dänemark in sehr kurzer Zeit stemmt, kann sich sicher eine Scheibe abschneiden, und ich könnte mir auch vorstellen, dass DK in Zukunft für standardisiertes und gut funktionierendes Zugmaterial gerne in Dtl. umschaut...

Ansprechen möchte gezielt Ihnen gegenüber, sehr geehrter Herr Minister Ramsauer ich noch einen Punkt, der unserer Fördestadt etwas Sorgen bereitet: Die Kategorisierung der Flensburger Förde im Rahmen der Reform Ihrer Wasser- und Schifffahrtsverwaltung als sonstige Bundeswasserstraße, bei der z.B. Bestandserhaltung und Ersatzinvestitionen nur noch in einem Umfang erfolgen soll, wie dies aufgrund der Verkehrssicherungspflicht geboten ist und proportional an den Tonnage-Umsatz gekoppelt werden sollen. Hier riskieren unsere Werft, unsere Stadtwerke und unsere übrige maritime Wirtschaft einen deutlichen Qualitätsverlust, der in dieser Form nicht hinzunehmen ist.
Ich bin Ihnen für die jüngsten Klarstellungen hierzu sehr dankbar, würde mich aber gerne in einem direkten Gespräch von der gesicherten Zukunft unserer Wasserstraße überzeugen.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Nun wünsche ich Ihnen erstmal eine ergebnisreiche Tagung und einen schönen Aufenthalt in der Stadt Flensburg.
Vielen Dank!

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