14. September 2008 - 0:00 Uhr

YOU!MM 2008 - Interview mit Jakobine Wolf, der Siegerin des Skatewettbewerbes

Vor einer Woche fand in Flensburg der fünfte YOU!MM European Minority Marathon statt. Bereits einen Tag zuvor gingen die Speedskater an den Start. Die Titel bei den Herren und auch bei den Damen gingen nach Berlin zum SCC Xspeed Team. Die Berlinerin Jakobine Wolf gewann die Einzelkonkurrenz der Damen nach einem spannenden Rennen. Grund genug für ein kurze Interview mit dem Skatetalent aus Berlin.


Wie hast du das Rennen am Samstag empfunden, hast du mit einem Sieg gerechnet?

Das Rennen war mit einer Zeit von 40min kein langsames. Es war für mich sehr interessant, da ich die anderen Teilnehmer nicht einschätzen konnte. Wenn man die anderen kennt weiß man wer eventuell Ausreissversuche macht, wer im Endsprint stark ist und somit an wen man sich halten muss. Im Rennen selbst war ich mir nicht sicher ob ich gewinnen kann, gerade weil ich die anderen Damen nicht einschätzen konnte.

Mit welchen Erwartungen/Zielen seid ihr als Team nach Flensburg gefahren?

Das nächste richtig große Rennen ist der Berlin Marathon am 27. September. Das wäre eine sehr lange Zeit ohne Rennen so wurden wir von unserem Trainer beauftragt ein Rennen zu laufen. Da die Jungs schon 2006 an diesem Rennen teilgenommen haben, kamen wir auf Flensburg. Natürlich sind wir alle an guten Resultaten interessiert und haben uns die Siege als Ziel genommen.

Welche Bedeutung hat das Skaten für dich, welchen Stellenwert nimmt es ein?

Ich liebe das Skaten, die Geschwindigkeit, die Dynamik dieser Sportart. Das Skaten begleitet mich jetzt schon fast 10 Jahre und ich kann es mir nicht mehr wegdenken. Ich werde es so lang wie es sich mit meiner Zukunft vereinbaren lässt als Leistrungssport weiter betreiben und danach werde ich bestimmt immernoch so oft es geht mit den anderen skaten gehen. Es ist schön in einem Verein zu skaten, ich habe auf diesem Weg auch viele nette und mittlerweile für mich wichtige Menschen kennen gelernt.

Hat man im Einzelwettbewerb mehr Chancen, wenn man als Team fährt?


Sicher hat man im Team mehr Chancen. Das hat man am Samstag bei den Herren sehen können.
1) Oft fährt die Gruppe in einer Reihe, so fährt nur der Führende im Wind und alle anderen fahren im Windschatten. Wer von vorn dann nach hinten wechselt wird nicht immer in die Gruppe gelassen, aber wenn einer aus dem Team in der Gruppe fährt, kann er sozusagen einen Platz reservieren.
2) Während der Rennen gibt es oft Sportler die Versuchen der Gruppe zu entkommen, ein so genannter Ausreissversuch. Das Ziel ist es dabei sich von der Gruppe absetzen zu können und sich somit einen vorderen Platz zu sichern. Jeder ist interessiert in einem solchen, natürlich auch kraftraubenden, Aussreissversuch dabei zu sein. Wenn man also im Team fährt kann man sich aufteilen und jeder geht einer eine andere Attacke mit. Somit kann man Kraft sparen, denn nicht jeder Aussreissversuch kommt bis zum Ende durch, oft werden die Gruppen wieder eingefangen, wenn sich die nachfolgenden Sportler mit der Nachführungsarbeit einig werden.
3) Dann gibt es noch die Möglichkeit als Team auszureissen, es ist natürlich schwierig so davonzukommen, dass kein Sportler eines anderen Teams dabei ist. Wenn man es aber geschafft hat ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man bis zum Ende durchkommt. Die Sportler wechseln sich in der Führungsarbeit ab und arbeiten zusammen.



Wie oft trainierst du in der Woche und welche Formen des Trainings gibt es?

Da ich den Sport als Leistungssport betreibe, trainiere ich unter der Woche mindestens einmal am Tag und am Wochenende ist entweder ein Wettkampf oder nochmal Training. Die Jungs trainieren mindestens 3x mal die Woche auch vormittags.
Im Sommer sind wir hauptsächlich auf den Skates, manchmal machen wir aber auch Radtraining. Im Winter machen wir Eisschnelllauf, gehen auf die Radrolle, Joggen, machen Imitationstraining und probieren einmal in der Woche in einer Halle zu skaten.
Wenn man den Sport auf Leistung ausgerichtet betreibt ist man meist in einem Verein und hat dort einen Trainer der für das Training verantwortlich ist.
Wer den Sport im Fitnessbereich betreibt sollte 2-4 mal die Woche trainieren. Es bietet sich natürlich am Wochenende einen schönen Ausflug auf den Skates zu machen (es gibt viele schöne Strecken in ganz Deutschland), unter der Woche Fahrrad zu fahren oder zu joggen/walken.


Deine größten Erfolge? Deine Ziele?

Dieses Jahr war bis jetzt mein Erfolgreichstes, ich war 8. beim Halbmarathon in Berlin und 5. beim Marathon in Koblenz. Aber ich skate nicht nur auf der Strasse sondern nehme auch an Bahnwettkämpfen teil. Dort konnte ich in diesem Jahr meine erste EM-Teilnahme verzeichnen. Nun hoffe ich natürlich das im nächsten Jahr wiederholen zu können und vielleicht ist ja dann sogar eine WM-Teilnahme drin.

Wie ist der Stellenwert dieser Sportart in Deutschland?

Leider ist die Sportart in Deutschland noch nicht so bekannt. Es gibt zwar sehr viele Fitnessskater und in diesem Bereich ist Skaten eine Trendsportart, aber das Inline-Speed-Skaten ist kaum bekannt. Seit Langen kämpfen wir dafür, das "wir" olympisch werden, die nächste Chance gibt es wohl 2016. So lange müssen wir uns mit den World Games zufrieden geben, die auch alle vier Jahre stattfinden und die noch nicht olympischen Sportarten zeigen.

Wie bist du zum Speedskaten gekommen? Wie lange machst du das schon?

Ich Skate schon seit 1999 aktiv. Ich habe damals alle möglichen Sportarten ausprobiert von Karate bis Akrobatik, aber mit keiner Sportart war ich auf Dauer zufrieden. Dann hat mich meine Mutter zum Skaten gebracht. Es war dort eine grosse Truppe und wir trainierten in einer Halle. Die Trainerin hat mich ziemlich schnell mit zu den Besseren auf die Bahn gesteckt. Seit dem bin ich Inline-Speed-Skater.


Vielen Dank für das Interview. Wir wünsche Dir viel Erfolg für deine sportliche Zukunft.


 


(Benjamin Nolte)


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