6. Mai 2009 - 23:38 Uhr

Interview mit Spirit of Santana

Spirit of Santana
Janne Neptun Thomassen
Ralph Schmedeke
Mollo (Peter Lorenzen)
(alt) Aus Anlass des Abschiedskonzertes im Kühlhaus am 09. Mai haben wir ein Interview mit der Trommelfraktion von Spirit of Santana geführt. In gemütlicher Runde bei Sonnenschein saßen wir bei Mollo (Peter Lorenzen, Schlagzeug) in seinem idyllischen Garten am Stadtrand auf seinen wie er sagte noch für den Sommer instand zu setzenden Gartenstühlen (Ich fand es sehr bequem) mit Janne (Janne Neptun Thomassen, Congas) und Ralph (Ralph Schmedeke, Timbales).
Das letzte Konzert ist sicherlich mit Wehmut vermischt, doch man kann sicher sein, dass diese Musiker die flensburger Musik-Szene auch in Zukunft bereichern werden.


SoS gibt es seit 10 Jahren?

Janne:
Wir hatten unser Debüt-Konzert am 14.04.2000

Mollo:
Im April-Mai 1999 fingen die ersten Gespräche an und Juni-Juli 1999 die ersten Proben, das zählt ja noch mit, in sofern sind die 10 Jahre schon voll.


Was war die Motivation eine Santana Cover-Band zu machen und wer hatte die Idee?

Janne:
Die hatte ich. Wir waren ziemlich fertig mit Bumping Elephant Band, da hatten Roald Christesen und ich ja 80% der Songs gemacht, wenn man aber nicht einfach ein Glückspilz ist und irgend ein Producer hört etwas von dir, dann kannst du dich noch so hineinknien, du kommst nicht weit. Gleichzeitig sah ich viele Cover-Bands und die hatten Gigs ohne Ende.

Ralph:
Ich weiß noch wir trafen uns auf dem Tummelum und sahen einige Cover-Bands.

Mollo:
Der Grundgedanke war einfach reich und berühmt zu werden. (lacht und alle lachen mit)

Janne:
Es ging ja darum Auftrittsmöglichkeiten zu bekommen und wenn eine Cover-Band, dann kam für mich nur Santana in Frage. Dann fing ich an herum zu telefonieren und gleichzeitig mein CD-Fundus an Santana-Musik aufzustocken. Erst hatten Mollo und Rühmann keine Zeit, weil sie davon ausgingen es geht mit Toy noch weiter.

Mollo:
Das muss ich ja eben noch Mal einwerfen, die ersten Gespräche fingen schon 1998 an.

Ralph:
Richtig, da war noch halb Lunatique mit dabei. Da hatten wir uns gerade aufgelöst.

Janne:
Das witzige war, das Toy und Bumping Elephant im Deutschen Haus ein Doppelkonzert hatten und beide wussten an dem Abend nicht, dass es das Abschiedskonzert beider Gruppen sein würde. Danach sagte Rühmann dann jetzt haben wir Zeit. Da hatte ich dann Bent (Wolf) angerufen und Ali (Gerhard Albrecht), Tim Kliem, er war ja unser erster Timbalero, Ralph kam später. Dann habe ich herum gefragt, wer kennt einen Keyboarder und Frank Weiner sagte ich habe da mal so eine Blues Brothers Geschichte gemacht, da war Michael Schmidt mit dabei, den kannst Du ja mal fragen. Letztendlich trafen wir uns dann einen Abend bei mir zu Hause. Dann habe ich meinen ganzen Fundus an Santana CDs in drei Stapel geteilt und vorgeschlagen, dass jeder mal einen Stapel mit nach Hause nimmt und durchhört und dann an den nächsten weitergibt. Ich weiß nicht mehr wie lange war Hörprobe?

Mollo:
Dein Stapel mit CDs ist ja wirklich herumgegangen, das waren mehrere Monate.

Janne:
Ja, wo wirklich nur gehört und Notizen gemacht wurde. dann haben wir uns wieder getroffen und das Repertoire zusammengestellt.

Mollo:
Der Anreiz für mich war zum Beispiel, dass die Musik vollkommen etwas neues war. Ich habe vorher immer Pop-Rock gemacht und ich fand das schlagzeugerisch ganz interessant und habe beim hören dieser Stapel erst gemerkt, wie viel man von Santana kennt. Selbst wenn man die ganzen Scheiben nicht kennt, aber was Du im Radio hörst, was manchmal im Fernsehen läuft als Untermalungsmusik wie bei Kennzeichen D oder solche Sachen. Das fand ich total interessant. Da machte es bei mir so klick. Vorher war Santana für mich so "Samba Pa Ti" und "Oye Como Va" und das war es dann. Ich glaube jedem ging das so, dass es so nach und nach in die Tiefe ging und jeder da etwas gefunden hat wo er "Wow" sagt. So ist es irgendwie mit der Zeit zusammengewachsen, das fand ich ganz interessant.

Ralph:
Ich kannte die ganzen Sachen ja von klein auf an. Als es losging mit SoS hatte ich irgendwie keine Zeit. Ein Jahr später hörte Tim dann auf, weil er keine Zeit mehr hatte. Da ich die Santana Sachen eben sehr gut kenne war es für mich dann kein große Sache da einzusteigen. Wir haben 2 oder 3 Proben gemacht vor meinem ersten Auftritt oder so.


War es schwierig die Besetztung zusammen zu bekommen?

Janne:
Merkwürdigerweise überhaupt nicht. Alle die ich angerufen haben hatten Lust drauf.

Mollo:
Es passte auch irgendwie einfach in die Zeit. In der Zeit hat musikalisch, auch was man so im Radio hörte, nicht wirklich viel stattgefunden. Das war alles irgendwie so eine Soße und so ein Todpunkt und da brauchst du als passiver Hörer aber auch als Musiker eben so einen Anstoß mal etwas anderes zu machen. Von einer Santana Cover-Band hatte ich bis zu dem Zeitpunkt noch nicht gehört. Später haben wir dann mitbekommen, dass es in Kiel noch eine gibt, die auch schon mehrere Jahre dabei waren.


Dann hatte Santana ja auch gerade u der Zeit sein großes Comeback mit Supernatural...

Mollo:
Ja, da kam es auf einmal auch über die Medien und so ein Schub kam mit der Santana Musik auf einmal hörtest Du überall Salsa, das kam auch parallel, Salsa zu tanzen und Merengue, die Lateinamerikanischen Geschichten, das kam auf einmal alles auf.

Janne:
Der ausschlaggebende Faktor warum wir dann Gigs ohne Ende hatten war der Erfolg der "Supernatural". Die kam Ende 1999 auf den Markt.


Wie viele Konzerte habt ihr die ersten Jahre gegeben?

Ralph:
So etwa 20.

Mollo:
Das war für unsere Verhältnisse und wie wir das angelegt haben schon wirklich viel.

Ralph:
Vor allem im Sommer auf Stadtfesten und ähnlichen Veranstaltungen. Ich weiß noch 2001 oder 2002 waren wir im Sommer fast jedes zweite Wochenende unterwegs.

Janne:
Auch der Radius in dem wir aufgetreten sind war groß. Mit keiner anderen Band vorher hatte ich das.


Wo habt ihr denn überall gespielt?

Janne:
Das weiteste war ein Auftritt im Erzgebirge.

Ralph:
In der Berliner Gegend haben wir öfter gespielt auch in Niedersachsen.

Gab es besondere persönliche Highlights was die Konzerte anging, was besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ralph:
Witzig war einmal, ein Stadtfest auch irgendwo in der Nähe von Berlin. Das war ein Oldie-Abend und wir spielten zusammen und teilten auch die Garderobe mit Musikern von den Animals, Creedence Clearwater Revival und Status Quo. Wir machten da den Opener, dann kam eine gemischte Band von den Animals und Creedence, die so ihre Hits spielten und ganz zum Schluss kam Status Quo.

Mollo:
Es war die Band von dem original Schlagzeuger von Status Quo.

Ralph:
Da hatten wir in so einem Baucontainer alle zusammen unsere Garderobe, das war ganz witzig.

Mollo:
Ansonsten natürlich so die Heimspiele bei Stadtfesten. Das erste mal glaube ich das war noch mit Tim, das war unten an der Schiffbrücke. Da waren Menschenmengen ein Meer von Menschen, bis rüber zum Shamrock und links hoch zum Nordermarkt.

Janne:
Die Strasse war auch gesperrt und voll mit Menschen.


Habt ihr auch Stücke gehabt, die ihr besonders gern gespielt habt und Stücke, die ihr vielleicht nicht so gern gespielt habt?

Janne:
Jeder hat so seine Favoriten gehabt.

Ralph:
Da haben wir oftmals große Diskussionen gehabt. Der eine mochte dies Stück überhaupt nicht, der andere das Stück überhaupt nicht. Wir hatten ja auch so zum Teil die Rock-Fraktion in der Band und Janne und ich dann eher als Latin-Fraktion.

Janne:
Ich war geteilt. Ich fand beides gut.

Ralph:
Da hat jeder seine Lieblingssachen gehabt.

Mollo:
Ich glaube das mischt sich auch zwischen persönlicher Vorliebe, was man gerne spielen mag und gleichzeitig so was jeden erwischt hat, ist wenn du die bekannten Dinger raushaust und das Publikum darauf reagiert. Da bekommst du automatisch so ein bisschen Gänsepelle. Das geht nach vorne, ob das Ding nun irgendwie musikalisch langweilig zu spielen ist oder nicht, es ergreift Dich einfach irgendwie. So mischt sich das zwischen dem persönlichen Geschmack und was auf einem Konzert so passiert.


Warum ist jetzt Schluss?

Janne:
Was eine Band zusammenhält sind Aufträge, also Gigs. Das ist die Triebkraft. Du weisst wofür du probst. Wenn keine Gigs da sind, ist es fast unmöglich eine Band zusammenzuhalten. Dann ist kein Geist mehr da und keine Energie. Carlos Santana hat ja auch nach Supernatural nicht mehr das ganz große komponiert.

Ralph:
Wir haben immer mal was probiert von den den letzten Scheiben von ihm, aber die sind nie gut angekommen. In sofern ist es natürlich auch ein Problem mit einer Cover-Band, du kannst nichts neues mehr machen. Wir haben auch von den alten Sachen immer wieder mal was neu ins Programm aufgenommen. Ich denke wir haben bestimmt 50-60 Stücke insgesamt gespielt. Haben aber gesehen, dass das Publikum immer ganz bestimmte Stücke hören wollte. Irgendwann nach 10 Jahren, auch wenn du noch so ein großer Fan bist, es fehlt dir irgend etwas. Es wird irgendwann auch ein bisschen langweilig.


Da fehlt dann ein bisschen die Herausforderung könnte ich mir vorstellen?

Ralph:
Ganz genau.

Mollo:
Die Auftrittsmöglichkeiten für Live-Bands sind in den letzten Jahren auch weniger geworden und dann hat sich auch unser aller Lebenssituation geändert, so dass man auch einfach nicht mehr alles mitmachen kann. Mit Beruf und Familie, eben wo man so drin steckt.

Ralph:
Wenn man z.B. für einen Auftritt das ganze Wochenende unterwegs ist.

Janne:
Die Härte war der Gig im Erzgebirge. Da haben wir für einen Gig ein ganzes Wochenende verbraten. Das hat vielen einen Knacks gegeben wo man dann gesagt hat das wollen wir nicht mehr. Da sind ein paar Sachen gewesen, wo wir unsere Erfahrungen gemacht haben. So wie dieser eine Horror-Auftritt in Schwerin. Der war schlecht bezahlt und wir wollten unbedingt noch nach dem Konzert nach Hause Fahren. Das war in einer Februar Nacht und da haben wir uns mit meinem Volvo überschlagen und landeten auf dem Dach im Graben. Da hatten wir dann auch schon Abstriche Gemacht. Wenn wir weiter weg spielen, dann nur mit Übernachtung im Hotel.

Mollo:
Man denkt dann immer man kann solche Sachen, wie diese weiten Fahrereien auffangen, in dem man nur noch nahe bei spielt, aber dann hat man eben auch ganz schnell alles abgegrast. Du kannst eben pro Club maximal nur einmal im Jahr spielen. Und so wie es andere Bands machen, abzuspecken, kleiner, unplugged und kneipenkompatibel, das ist mit dem Santana Sound einfach nicht zu machen. Den Santana Sound erreicht man mit einer Akkustik-Klampfe einfach nicht und drei Cajòns nebeneinander sieht auch irgendwie scheiße aus (lacht und alle stimmen mit ein)


Gibt es Aussichten auf Folgeprojekte?

Janne:
Jeder hat wohl seins am Laufen. Mollo hat sein Power Trio, ich mache Flamenco Musik im Augenblick.

Ralph:
Ich mache mit Richard Wester teilweise etwas oder habe jetzt gerade ganz neu ein Jazzquartett mit Helge Schmedeke. Das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit meinem Cousin zusammen Musik mache. Und verschiedene andere Sachen so wie Kümo oder Sim Special mache ich ab und zu mal.

Mollo:
Jeder macht irgend etwas. Frank Rühmann arbeitet an seinen eigenen Songs und will eine CD herausbringen. Ich mache mit Bent zusammen auch noch was, so ein bisschen Rock Mucke.

Ralph:
Ali ist auch bei Sim Special.

Mollo:
Das hat im Moment eher alles mit sondieren zu tun.


So wie es bei SoS war hat man es sicherlich auch eher selten. Da habt ihr die Idee gehabt und die dann umgesetzt. Meistens ergebt sich das sicherlich eher einfach so was man macht.

Mollo:
Man wird schon viel gefragt, ob man da oder dort mitspielen möchte, aber die Frage ist immer wo soll das hingehen und das steht und fällt dann letztlich auch wieder mit den Auftrittsmöglichkeiten.

Was seht ihr nun dem Abschiedskonzert entgegen?

Mollo:
Ich denke mal wir freuen uns auf ein schönes Konzert und hoffen das reichlich Leute kommen. Ich weiß nicht in wie weit die Leute das mitbekommen, dass das ein Abschiedskonzert ist. Und wir wollen das ganze halt gebührend verabschieden.

Janne:
Es ist auch eine Danksagung auch an das Publikum. Ich fand es schon immer toll hier in Flensburg zu spielen.

Ich wünsche ein schönes Abschiedskonzert und danke Euch für das Interview.

Das Interview führte Alexander Thomsen

Mehr Infos zum Konzert unter: www.kuehlhaus.net

Kommentare


comments powered by Disqus