8. März 2009 - 14:15 Uhr

Jens Carstens - ein Flensburger auf den ganz großen Bühnen!

Jens Carstens (Foto: Benjamin Nolte)
Jens Carstens im NDR Studio Hamburg
Jens Carstens und Heinz Rudolf Kunze (Foto: Benjamin Nolte)
Jens Carstens in Aktion (Foto: Benjamin Nolte)
Heinz Rudolf Kunze im Rolf Liebermann Studio Hamburg (Foto: Benjamin Nolte)
Heinz Rudolf Kunze im Rolf Liebermann Studio Hamburg (Foto: Benjamin Nolte)
Jens Carstens in der Color Line Arena mit Rosenstolz (Foto: Benjamin Nolte)
AnNa (Foto: Benjamin Nolte)
Jens Carstens in der Color Line Arena mit Rosenstolz (Foto: Benjamin Nolte)
Peter (Foto: Benjamin Nolte)
Jens Carstens in Aktion (Foto: Benjamin Nolte)
Das Interview nach dem Konzert
26. Januar 2009 eine riesige Menschenmenge wartet in der ausverkauften Color Line Arena gespannt auf den Auftritt von Rosenstolz. Endlich geht es los. Das Publikum jubelt. Sie stellen ihr neues Album vor "Die Suche geht weiter". Gefühlvolle Songs wechseln sich ab mit lautem Rock. Die Stimmung ist super und das Publikum geht von Anfang an mit. Eine tolle Bühnenshow wird auf einer riesigen Bühne inszeniert. Rosenstolz ist eine der erfolgreichsten deutschen Bands. Am Schlagzeug sitzt Jens Carstens.

Szenenwechsel - 11.Februar 2009 NDR Rolf-Liebermann-Studio Hamburg. Heinz Rudolf Kunze stellt sein neues Album "Protest" vor. Das Konzert wird per Live-Stream im Internet übertragen. Der erste Song "Astronaut in Bagdad", ein Lied über die Gedanken eines GI im Irak Krieg. Die Mischung des neuen Albums aus Intelligenten Texten, rockigen Stücken und leisen Tönen ist rundum gelungen. Ein gut aufgelegter Kunze und seine musikalisch überzeugende Verstärkung machen dieses Konzert in der intimen Atmosphäre des NDR-Studios zu etwas besonderem. Nach dem ersten Song gesteht Heinz Rudolf Kunze seine Aufregung bei der Premiere seines neuen Werkes, doch die anfängliche Anspannung verfliegt schnell. Spass und Leidenschaft spürt man bei jeder gespielten Note. Das Publikum fängt diese Stimmung auf und gibt sie dankbar an die Band zurück. Es wird mitgesungen, geklatscht und gejubelt. Zwischendurch ist jedoch auch Platz für Stille. Aufmerksam lauscht das Publikum den kritischen, lyrischen zum Nachdenken anregenden Texten, die Heinz Rudolf Kunze zwischen einigen Stücken rezitiert.
Am Schlagzeug sitzt Jens Carstens.

Seine musikalischen Wurzeln, man glaubt es kaum, findet man in Flensburg. Sein erstes Schlagzeug bekam er mit 9 Jahren zu Weihnachten geschenkt. Erworben bei Beckers Orgelzentrum am Holm. Während seiner Schulzeit tummelte Jens sich in der Flensburger Musikszene. Er spielte hier in Schulbands, mit Fritz Freddy Baby unter anderem bei Stadtfesten wie Tummelum und beim Översee- und Walsbüllfestival und diversen anderen Auftritten und Formationen.
Nach der Schule absolvierte Jens ein Popularmusik-Studiengang in Hamburg und machte sich nach und nach einen Namen als Studio und Live-Musiker. Mit Freunden gründete er anfang der 90'er die Band "DISCO", die in Deutschland recht erfolgreich war. Auf Tour war er schon mit so namenhaften Künstlern wie Toni Christie oder Roger Whittaker und spielte im Studio beim Udo Lindenberg Album "Und ewig rauscht die Linde" Schlagzeug. Seit 1994 ist Jens fester Bestandteil der Band bei Michy Reincke. Seit 2001 ist er bei Heinz Rudolf Kunze und ein Jahr später stieß er zu Rosenstolz.
Auch als Songwriter und Produzent ist Jens Carstens aktiv. Die neue Single "Einmal noch und immer wieder" von Heinz Rudolf Kunze hat er mitkomponiert und arbeitet zur Zeit an einem Projekt mit dem Sänger Jan Sievers.
Bei allem Erfolg steht Jens Carstens mit beiden Beinen fest auf der Erde und ist in allen Belangen ein Vorzeigekünstler. Wir hatten das Glück Jens Carstens bei dem Konzert in der Color Line Arena mit Rosenstolz und bei dem Konzert mit Heinz Rudolf Kunze im Rolf-Liebermann-Studio begleiten zu dürfen. Im Anschluss an das Konzert im NDR Studio in Hamburg nahm er sich die Zeit uns für ein ausführliches Interview Frage und Antwort zu stehen:

Vorab vielen Dank für die Einladung zu diesem tollen Event. Eine tolle Band, ein super aufgelegter Heinz Rudolf Kunze und tolle Songs von der neuen CD. Rock`n Roll, leise Töne, intelligente Texte, schöne Keyboard-Sounds und vor allem ein super Drummer!

Jens, wie hat Deine musikalische Karriere begonnen?

Ganz am Anfang? Da war ich 7 und habe auf Telefonbüchern Schlagzeug gespielt. Mit 9 habe ich eins bekommen. Es gab damals in Flensburg das Orgelzentrum in der Innenstadt. Oben waren immer die Schlagzeuge. Da mußte man eine Wendeltreppe hoch. Immer wenn ich das gesehen habe, habe ich nasse Hände bekommen und habe gedacht, so muss es sein, wenn man ganz oben ist. Die Euphorie und alles drum herum war für mich das Größte. Zu Weihnachten habe ich dann eins bekommen und konnte mein Glück kaum fassen. Ich habe dann Unterricht in Flensburg bekommen, bei Horst Breitinger, der ja leider nicht mehr bei uns ist. Toller Lehrer und ein netter Mensch.
Parallel dazu habe ich auch Klavier gelernt, fast 7 Jahre, meine Eltern haben mich quasi zu meinem Glück gezwungen, was im Nachhinein wirklich eine schöne und recht wichtige Sache war. Auch für das Schlagzeug spielen, so dass man auch ein Gefühl für das Ganze bekommt. Das man auch Harmonien und Melodien hört und ein Gefühl dafür entwickelt. Ich habe in der Schulbands gespielt in der Käthe Lassen Schule.

Das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen. In welchen Bands Du in Flensburg gespielt hast.

Zum einen in der Schulband.

Weißt Du noch wie die hieß?

Keine Ahnung, das weiß ich nicht mehr. Ich weiß noch das Frank Weiner, auch schönen Gruß, Schulbandleiter war. Er hat das auch toll gemacht. Da konnten wir uns richtig austoben und haben viel gespielt, das war sehr schön. Ich möchte auch unbedingt meine Musiklehrerin Frau von Gagern grüßen, die mich auf der Käte Lassen sehr gefördert hat. Es hatte auch etwas besonderes. In einer Schulband zu spielen ist doch ein tolles Gefühl. Da hatte man so eine Insel, wo man etwas schönes hatte neben den ganzen Schulfächern. Freitag 14:00 Uhr Schulband. Irgendwie wußte ich da schon, das muss man später vielleicht weiter verfolgen.

Dann gab es die Band Fritz Freddy Baby, die kennst Du vielleicht auch noch?

Ja!

Mit der Band haben wir auch ganz viel gespielt, beim Översee- und Walsbüll-Festival und in der Umgebung von Flensburg. Mein Vater war damals mein Backliner und hat die Schlagzeuge durch die Gegend gefahren. Dann habe ich in einer Top-40 Band gespielt die hieß Tante-Luzy, die gibt es auch immer noch. Das war ganz toll, das hat mir ganz viel gebracht. Es ist nicht so einfach zum Seqencer zu spielen. Zu dingen, die mitlaufen und nicht auf der Bühne von Menschen gespielt werden, sondern vom Computer kommen. Da habe ich sehr gut gelernt auch zum Klick spielen zu können, was mir auch später sehr geholfen hat. Auch diese Routine vor vielen Menschen immer wieder spielen, speilen, spielen. Da war ich 17 oder so und meine Mutter fand es natürlich nicht so toll, wenn ich da um 7 Uhr morgens nach Hause kam. Da hat man mir gesagt "mein lieber Sohn, was machst Du eigentlich aus Deinem Leben? Was machen wir nur mit Dir?" (lacht)

Dann ging ich nach Hamburg und habe dort ein Popularmusik-Studiengang gemacht. Mit 17 oder 18 bei Udo Dahm damals noch. Dann ging es irgendwie immer weiter und weiter. Die nächste Band war dann Täterä, eine Marching Band.


Welches war denn Dein erstes Engagement als Profimusiker?

Das ist immer schwer zu sagen. Ab wann ist man Profimusiker? Bei Tante-Luzy habe ich ja schon als Jüngling Geld verdient. Da war man aber natürlich noch nicht Profi, ging noch zur Schule, oder war gerade damit fertig. Ich würde sagen es fing nach dem Zivildienst an. Ich habe dann so mit 20 angefangen für Gitte Hænning Playback-Jobs zu machen. Ich glaube das erste war bei "Musik liegt in der Luft" mit Dieter Thomas Heck. Gitte hat die Band damals in ihr Hotel eingeladen und hat dann gesagt: "Wie seht ihr denn aus, erstmal Einkaufen gehen". Dann sind wir alle einkaufen gegangen. Parallel hatte ich immer meine Marching Band Täterä und die war eine Zeitlang eine der erfolgreichsten Gala-Bands Deutschlands. Die gibt es auch immer noch.

Wo hast Du Zivildienst gemacht?

Hauspflegestation Barmbeck-Uhlenhorst in Hamburg. Die waren total nett. Die haben gemerkt, das ist ein hoffnungsloser Fall, der ist immer weg. Ich fand aber die Zivildienst Zeit sehr gut. Zuerst war es für mich der Horror. Ich dachte 15 Monate Zivildienst, dann kann ich es gar nicht schaffen Profimusiker zu werden. Ich muss soviel üben. Aber das war totaler Quatsch. Es war eine sehr schöne Zeit, weil Du wirklich etwas gutes gemacht hast. Dank der Station habe ich auch meinen Urlaub gut nutzen können und die haben auch mal ein Auge zugedrückt wenn ich mal früher los mußte. Im Urlaub habe ich halt immer gespielt und hatte immer ein strammes Programm.

Lass uns noch einmal nach Flensburg zurück gehen. Wie hast Du Deine Freizeit in Flensburg verbracht, wenn Du mal Party machen wolltest beispielsweise?

Mit meinem Kumpel Marc Henk habe ich gern an der Flensburger Förde gesessen und die Schiffe angeschaut, das war glaube ich mindestens fünf Jahre lang der Klassiker.

Gab es da einen Lieblingsplatz?

Direkt an der Hafenspitze. Da saßen Marc und ich und haben geträumt, später, da werden wir mal ganz große Musiker. Wir müssen nur noch ein bisschen durchhalten und üben, dann sind wir auf großer Welttour. Da haben wir halt geträumt und das war total schön. Dann sind wir meistens ins Roxy gegangen. Ich weiß nicht ob es das noch gibt, das war so die Disco in Flensburg.

Das alte Roxy ist inzwischen Abgerissen. Das ist noch gar nicht so lange her.

Das ist aber traurig. Das war eine richtige Rock-Disco. Mittwoch und Samstag waren wir meist im Roxy. Dienstag war Oldie-Tag, Donnerstag war Jazz-Rock Tag, das fand ich grandios. Eigentlich verlief der Tag dann so: Wir haben uns bei mir getroffen und Musik gehört und alles analysiert und auseinandergenommen. Jazz-Rock, Chick Corea Elektric Band und solche Sachen, aber auch Deutschrock auch Heinz (Rudolf Kunze), alle möglichen deutschen Bands. Dann sind wir an die Hafenspitze gegangen und anschließend ins Roxy. Da haben wir versucht zu tanzen und natürlich versucht Mädchen kennen zu lernen, was meistens nicht geklappt hat. Dann ging es wieder nach Hause nach Engelsby. Das war eine unglaublich schöne Jugendzeit. Ich bin ja mit 7 Jahren aus Radevormwald nach Flensburg gezogen. Bei mir schlägt auch ein kleines Herz für Nordrhein-Westfalen aber Flensburg ist meine Heimat.
Sensationell für uns waren natürlich auch die Stadtfeste wie das Tummelum wenn wir da spielen durften. Wir standen natürlich auch bei anderen Bands vor der Bühne wie zum Beispiel "Toy", "Queduga" oder Megahops, die fand ich super mit dem Matze Schinkopf. Flensburg hat sowieso finde ich ganz tolle Musiker hervorgebracht.

Wie zum Beispiel auch Wolf Kerschek

Ja Wolf Kerschek und auch sein Bruder Sven. Mit denen habe ich auch gespielt, Jazz-Rock. Das habe ich alles ein bisschen gerader gemacht als es sein sollte aber ich habe das immer gern gespielt. Mit Sven Kerschek war das Großartig. "Red Baron" bei ihm zu Hause. Viele Flensburger sind ja auch in Hannover. Wie zum Beispiel Lars Hansen und Sascha Frank.

Ich kann mich erinnern, dass wir mit einer Band die sich "Mr. Zulu" nannte im Rahmen eines Weihnachtskonzertes von "Lunatique" im Roxy gespielt haben. "Mr. Zulu" war eigentlich eine Band wo Du mitspielen solltest. Da haben wir ein paar mal geprobt und dann bist Du nach Hamburg gegangen.

Ja, und landete im Jazz Orchester. Weißt Du dass ich im Landes Jugend Jazz Orchester gespielt habe? Ich glaube ich war zweiter oder dritter Schlagzeuger. Es gab ja diesen Weltklasse-Bassisten, der auch im Bundes Jugend Jazz Orchester nachher gespielt hat.

Du meinst Martin Wind, auch ein Flensburger.

Ja, und ich habe mich geschämt. Das war halt ein Jazzer, wie er im Buche steht, und ich habe so jeden zweiten Bläser Kick nicht getroffen und dann hat er mich von der Seite böse angeguckt. Es ist also ganz gut das ich heute Popmusik mache und nicht Jazz. (lacht)

Ich kann mich aber an eine Probe mit Dir erinnern, da haben wir uns ein Stück von Mike Stern vorgenommen und auf der nächsten Probe haben wir das Stück angespielt. Nach und nach setzten alle aus, weil sie nicht mehr genau wußten wie es weitergeht. Aber Du hast die Nummer gnadenlos bis zum Schluss ganz alleine ohne Begleitung, ohne Bass, ohne irgendwas durchgespielt. Und das war kein einfaches Stück. Das hat mich damals sehr beeindruckt.

Vielen Dank, aber das hätte ich auch heute gemacht, das ist ja letztendlich auch ein bisschen mein Job. Irgendwie muss der Schlagzeuger ja durchhalten. Wenn alles zusammenbricht musst Du den Leuten das Gefühl geben irgendwie gehts weiter.

Was waren Deine nächsten Stationen?

Dann habe ich Franz Plasa kennen gelernt. Franz hat unsere Band "Publik Park" und später "Disco" jahrelang produziert. Von Franz habe ich sehr viel gelernt und habe ihm auch viel zu verdanken. Da haben wir ganz viel gespielt auch mit Fury in the Slaughterhouse und anderen englischen Bands waren wir unterwegs. Wir haben auch ein paar Platten verkauft aber für mehr hat es nicht gereicht, warum auch immer. In der Zeit habe ich auch viel im Studio aufgenommen. Auch für andere Künstler, sogar auch eine Udo (Lindenberg) Platte aufgenommen. Das ist schon lange her die Platte hieß "Und ewig rauscht die Linde". Das ist wirklich ein schönes Album geworden. Zwischendurch irgendwann war die erste richtig große Tour. Die eine Band war Toni Christie mit "Amarillo". Das war eine lange Tour mit ganz tollen hamburger Musikern.

"Amarillo" kanntest Du ja schon von Tante-Luzy.

Das kannte ich schon rauf und runter. Das konnte ich schon mitsingen. (lacht)
Dann habe ich auch noch 1000 andere Sachen gemacht. Als es dann mit Rosenstolz losging, fielen viele der kleineren natürlich weg aber ich war immer schon ein Vielspieler. Es gab kaum Jahre in denen ich nicht vier bis fünf Programme drauf hatte. Momentan auch, ich spiele bei Rosenstolz, Heinz Rudolf Kunze, Michy Reincke und ganz aktuell Anuschka Zuckowski, die gerade Ihre Platte herausbringt.

Felix De Luxe hat in Originalbesetzung glaube ich gerade in Flensburg gespielt.

Ja, auch mit Franz Plasa, der da ja Gitarre gespielt hat. Demnächst soll es auch wieder mehr Konzerte mit Michy Reincke geben. Bei Michy habe ich 1994 angefangen und bis heute spiele ich da mit. Michy Reincke ist immer ein bisschen wie Klassenfahrt. Da trifft man sich mit Freunden, wir proben auch höchstens eineinhalb mal im Jahr. Wir haben immer unsere legendären Tivoli-Konzerte in der Weihnachtszeit seit 7 Jahren. Das bringt sehr viel Spass. Das ist alles ein bisschen kleiner. Da entwickelt sich auch vieles auf der Bühne, da ist nicht alles bis ins Detail abgesprochen, da wird so etwa 10 % improvisiert.

Wenn Du so viele verschiedene Sachen machst, dann wirst Du sicherlich auch viel proben müssen.

Ja, unglaublich lange Probephasen. Mit Rosenstolz hatten wir im Sommer schon eine Probephase von 14 Tagen. Im Oktober dann auch noch mal 14 Tage. Ist natürlich auch eine riesige Show und da muss alles stimmen. Da kommen viele Menschen, das ist relativ normal bei solchen großen Acts.

Wie kann man sich das vorstellen wenn 14 Tage geprobt wird? Wird dann von morgens um 8 bis abends um 8 geprobt?

Nein, wir haben einen musikalischen Leiter. Es ist sehr demokratisch bei uns, aber Ansprechpartner/in sind Anna Peter und Ulf. Die sagen wann es losgeht und wie der Ablauf ist. Wir haben glaube ich so um 10 angefangen und dann bis etwa 19:00 Uhr geprobt. Es ist schon ein intensives Proben und wir proben die 14 Tage auch relativ konzentriert durch.
Nach einer Tour ist man dann wirklich müde. Ich vergleiche das immer so mit einer Fussballmannschaft bei einem großen Tournier wie eine EM oder so. Nach der Probephase hat man dann noch ein paar Tage zum ausruhen und muss dann beim ersten Konzert auf den Punkt da sein. Du mußt den Leuten bei einer so großen Show, auch bei Heinz (Rudolf Kunze) da ist es sicher ähnlich, das Gefühl vermitteln, als wenn die Band schon eine Woche auf Tour ist. Die bezahlen ja auch dafür um das Konzert zu sehen und man möchte einfach das Programm selbstbewußt spielen und man soll schon merken können, dass es Spass bringt. Es muss schon so sein, dass man sieht, dass wir wissen was wir da tun.

Man hatte heute auch den Eindruck, dass ihr nicht zum ersten Mal zusammen spielt.

Nein, wir haben jetzt fünf Tage am Stück geprobt, was für eine Stunde Programm wie heute Abend ok ist. Es gab ja auch ein paar technische Dinge, die laufen mussten. Und die Band, die Verstärkung von Heinz, die spielen ja auch schon jahrelang zusammen. Ich kenne Jörg und Leo, der ja auch bei "Selig" Bass spielt und das aktuelle Heinz Rudolf Kunze Album produziert hat, sehr lange und wir spielen ebenso lange schon zusammen.

Bei Heinz Rudolf Kunze bist Du doch auch schon eine ganze Weile?

Ja, seit 2001. Manchmal ist es auch ein Spagat mit den Terminen mit Rosenstolz und Heinz. Das kann sich schon mal in die Quere kommen. Dann gibt es natürlich ab und zu mal eine Vertretung, aber im Großen und Ganzen hat das eigentlich immer gut geklappt.
Es sind auch beide, Peter und Anna und auch Heinz, kein Geschleime, sehr nette Chefs. Es gibt Toleranz und gegenseitigen Respekt. Man kann mit allen reden und kann auch mal einen Termin nach hinten schieben. Vielleicht nicht bei Konzerten aber wenn es um Proben geht und so etwas. Da habe ich ganz großes Glück.

Meine nächste Frage wäre dann auch gewesen, wie Du alles unter einen Hut bekommst.

Es klingt natürlich jetzt alles sehr extrem, als Musiker hat man aber auch viele freie Zeit. Wie es dann aber immer so ist, kommt alles auf einmal oder mal zwei Monate gar nichts. Wenn alles auf einmal kommt, dann wird es manchmal wirklich eng.

Ich habe auf Deiner Website gelesen, dass Du auch selbst Songs schreibst.

Dadurch das man immer schon dabei war, bei den Entstehungsprozessen von Songs, und mitgewirkt hat, habe ich vor Jahren dann auch angefangen zu schreiben. Ich würde mich jetzt nicht als den großen Komponisten bezeichnen, aber ich habe manchmal ganz gute Ideen für Linien und so. Schlagzeug ist halt auch eine Basis vom Song und ganz wichtig in welche Richtung ein Stück überhaupt geht. Das ist natürlich nicht nur abhängig vom Schlagzeug, aber es bildet die Basis. Ich liebe es in Teams zu komponieren mit meinem Freund Zoran Grujowski mache ich ganz viel zusammen. Wir produzieren auch gerade einen Sänger, Jan Sievers, von dem ich hoffe, dass man dieses Jahr ein bisschen hören wird. Da habe ich ganz viel mitgeschrieben und auch produziert. Dann habe ich für Heinz die Single "Einmal noch und immer wieder" die jetzt noch kommt mit komponiert, zusammen mit Jörg Sander. Wenn ich zwischendurch mal Zeit habe, setzte ich mich dann gern mit anderen zusammen und versuche mir ein schönes Lied auszudenken. Manchmal klappt es und manchmal klappt es nicht.

Das ist mit Kreativ-Prozessen ja meist so.

Ja, manchmal habe ich auch eine Idee, die schicke ich dann Zoran oder Jan, dann sagen die, das ist ja Horror, aber der Anfang ist super. Das ist eine gute Linie, daran müssen wir weiter Arbeiten. So ergänzt man sich ganz gut. Das ist immer das Schöne wenn man in Teams schreibt. Man freut sich natürlich auch wenn etwas veröffentlicht wird. Es bringt mir auch eine Menge Spass nicht nur zu trommeln sondern auch ein bisschen mehr zu machen.

Da kommt Dir Dein Klavierunterricht als Kind sicherlich auch zu Gute.

Ich würde sagen es reicht zum Komponieren. Ich bin nicht der Pianist der Bach rauf und runter spielt, aber wenn man eine Idee hat reicht es um da weiterzukommen. Das hilft mir sehr. Hätte man diesen Background nicht, würde man da nur stehen und jemandem etwas vorträllern und jemand anders müßte das umsetzen. So aber kommt man dann schon recht weit und kann mit anderen zusammen die Idee fortführen. Ich bin ein großer Freund davon in Teams zu schreiben. Wenn schon, denn schon mit allen in die Sackgasse. (lacht)

Was planst Du für die Zukunft?

Ich bin schon ein Planer. Das muss man glaube ich auch als Musiker. Die Zeiten sind nicht immer rosig und man muss sehen, dass man viel macht. Ich habe das Glück bei wirklich großen Bands spielen zu dürfen, wofür ich sehr dankbar bin und Ich hoffe das noch lange machen zu können. Abgesehen davon mache ich konkret ein Projekt mit Jan Sievers, auf MySpace kann man sich das auch anschauen. Das ist für mich in diesem Jahr ein ganz wichtiges Projekt. Ansonsten...

Gammellund!

Gammellund mit Tante-Luzy (lacht). Unbedingt! Da würde ich alles für geben (lacht immer noch)!

Tante-Luzy spiel dieses Jahr sogar noch in Gammellund.

Ja aber Euer Schlagzeuger kann ja immer. Ein Unding ist das. Immer anrufen, wenn Euer Schlagzeuger nach Australien fährt für 4 Wochen, ich bin dabei. Das ist ja auch das, was ich ganz gut finde. Rauszugehen und am Wochenende mit einer guten Top-40 Band zu spielen. Da sieht man für wen man eigentlich Musik macht. Das hilft auch beim Songs schreiben. Das heißt nicht, dass man sich verbiegt und versucht Songs zu machen die jedermann toll findet, aber das hilft schon, wenn man ganz nah an das Publikum herankommt.

Ich muss auch wirklich mal festhalten, Du bist absolut auf dem Teppich geblieben. Du bist nach wie vor ein total netter Kerl und überhaupt nicht abgehoben, obwohl Du in Deinem Bereich wirklich erfolgreich bist.

Ich finde es gibt keinen Grund abzuheben, weil letztendlich ist es ja auch "nur" Musik. Manchmal ist es dann Musik die ein bisschen bekannter ist oder einige gut finden, das heißt aber nicht, dass man etwas besseres ist. Das sehe ich so und das würde sich auch hoffentlich nicht verändern, wenn ich jetzt einen Welthit geschrieben hätte (lacht). Zu den Top Ten Konzerten, die ich in meinem Leben gespielt habe, da sind natürlich großartige Sachen bei wie Wuhlheide (Berlin) mit Rosenstolz wo man vor 15.000 Leuten gespielt hat, oder mit Heinz die DVD in Hannover. Aber großartig war auch mit Tante-Luzy als wir für die Behindertenwerke gespielt haben.

Für die Mürwiker Werkstätten...

Genau, da waren nachher mindestens 10 geistig Behinderte auf der Bühne, die wirklich so etwas von abgegangen sind mit uns auf der Bühne und das zu sehen, dieses unglaubliche Glück, dass man da an dem Abend denen bereitet hat, das war grandios. Das sind manchmal Augenblicke beim Musik machen, ob nun für ein Amateur oder Profi, wo man in 10 Jahren noch sagt, das war der Hammer. Da geht es gar nicht darum ob man vor 5 Leuten oder vor 15.000 spielt. Deswegen macht man Musik, weil es Augenblicke gibt die etwas ganz besonderes sind. Wie auch heute Abend, wo man plötzlich merkt da geht ein Ruck durch oder kommt eine Euphorie auf. Man gibt etwas und es kommt etwas zurück. Das sind die schönen Dinge im Leben eines Musikers.

Vielen Dank, dass Du die Zeit hattest mit uns zu klönen. Ich hoffe wir können das mal wiederholen.

(Das Interview führten Alexander Thomsen und Benjamin Nolte)

Mehr Infos zu Jens Carstens gibt es auf seiner Website: www.jenscarstens.de


Kommentare


comments powered by Disqus