24. Juni 2011 - 11:51 Uhr

Wise Guys erobern Deutsches Haus - Interview mit Eddi Hüneke

Die Wise Guys im Deutschen Haus (Foto:Benjamin Nolte)
Die Wise Guys im Deutschen Haus (Foto:Benjamin Nolte)
Die Wise Guys im Deutschen Haus (Foto:Benjamin Nolte)
Die Wise Guys im Deutschen Haus (Foto:Benjamin Nolte)
Die Wise Guys im Deutschen Haus (Foto:Benjamin Nolte)
Die Wise Guys im Deutschen Haus (Foto:Benjamin Nolte)
Die Wise Guys im Deutschen Haus (Foto:Benjamin Nolte)
Flensburg - Es hat schon beinahe so etwas wie Tradition, jedes Jahr im Sommer kommen die Wise Guys ins Deutsche Haus nach Flensburg und jedes Mal wieder ist das Haus voll. So auch am vergangenen Mittwoch. Dän, Eddi, Ference, Sari und Nils holten wieder einmal alles aus sich heraus. Mit dem aktuellen Album "Klassenfahrt" setzen die Jungs ihre Erfolgswelle fort und kehren auch immer wieder gerne nach Flensburg zurück, wie Eddi im Interview mit uns verlauten ließ:


erlebe-flensburg:
Habt ihr schon mal Gelegenheit gehabt ein wenig von Flensburg zu sehen?

Eddi Hüneke
Wir treten seit vielen Jahren in Flensburg auf. Dieses Mal hatten wir leider kaum Zeit. Wir haben aber 2002 oder 2003 unsere Top-Ten-Feier in Flensburg gemacht, als wir zum ersten Mal mit unserem Album in die Top-Ten eingestiegen sind. Flensburg ist eine schöne Stadt und wir spielen sehr gerne im Deutschen Haus. Die Stimmung ist immer wieder gut. Das ist wirklich kein Spruch, das ist eine von uns gern besuchte Location.

erlebe-flensburg:
Seid ihr in Köln besonders populär oder gibt es keine regionalen Unterschiede?

Eddi Hüneke:
Doch es gibt einen Schwerpunkt in Köln und es gibt auch ein paar blinde Flecken in der Republik wo es etwas schwieriger ist aber eigentlich ist es mittlerweile relativ gleichmäßig verteilt.

erlebe-flensburg:
Eure letzten beiden Alben sind in den deutschen Albumcharts jeweils auf Platz zwei gelandet. Wie erklärt ihr Euch diesen Erfolg?

Eddi Hüneke:
Mit vielen Live-Auftritten und durch Mundpropaganda. Nicht etwa weil wir durch die Medien gepuscht worden wären, sondern weil es den Leuten anscheinend gefällt und sie es dann weiter erzählen. Warum das wiederum so ist, ist ein Thema für sich. Ich denke die Leute mögen unsere Texte, die irgendwie eine gewisse Intelligenz haben aber auch berühren. A-cappella ist eher ein Sparten-Phänomen aber in dieser Pop-Musik Form spricht es dann wieder mehr Leute an. Und ich habe immer das Gefühl, dass wir so eine gewisse Ehrlichkeit auf der Bühne verkörpern, weil wir "wir" sind und nicht irgendwelche künstlichen Rollen annehmen. Außer natürlich bei bestimmten Liedern die durch eine Rolle gekennzeichnet sind, in die wir dann natürlich hineinschlüpfen. Das scheint etwas anzuregen bei den Leuten, deswegen sicherlich auch die große Altersvielfalt unseres Publikums.

erlebe-flensburg:
Eure Geschichte reicht weit zurück. Wie ich Eurer Website entnehmen konnte reichen Eure Wurzeln bis nach 1985 und dem Hildegard-von-Bingen-Gymnasium. Ich habe ein wenig im Internet recherchiert und bin darüber gestolpert, dass Hildegard von Bingen unter anderem eine Sammlung von 77 geistlichen Gesängen und Melodien mit dem Namen "Symphonie der himmlischen Erscheinung" verfasst hat.

Eddi Hüneke:
Ach, das wußte ich nicht. Das sollte man mal erforschen. Gibt es die auch in Notenform? Das ist ja Mittelalter.

erlebe-flensburg:
Ja, Hildegard von Bingen wurde um 1100 geboren.

Eddi Hüneke:
Dann sind das wahrscheinlich noch alte Notationssysteme, die ich nicht lesen kann. Hildegard von Bingen ist eine sehr bekannte Frau gewesen. Das ist auch wieder so typisches, du gehst auf die Hildegard von Bingen Schule und kein einziger Lehrer thematisiert das auch nur ein Mal. Irgendwie ist das eine verschenkte Chance.

erlebe-flensburg:
Wie kann man sich das Komponieren vorstellen? Ihr komponiert die Stücke doch sicherlich am Instrument? Wie geht dann der Prozess von Statten die Stücke in A-cappella zu arrangieren?

Eddi Hüneke:
Dän komponiert seine Stücke an der Gitarre und ich auch, wobei ich auch Keyboards nutze. Nils hat jetzt auch angefangen zu schreiben und macht das auch am Keyboard. Im Endeffekt schreiben wir genau wie jeder andere Singer/Songwriter Stücke, die erst einmal als Demo mit Gitarre, Gesang, Harmonien und Melodie aufgenommen werden. Anschließend wird das in ein A-cappella Arrangement umgesetzt, das macht auch jeder von uns selbst. Es hat sich so ergeben, dass wir da am besten einzeln arbeiten. Wir nehmen die Stücke dann im Mehrspurverfahren auf und arbeiten so lange daran bis es dem Feeling entspricht, was wir für das Lied sehen. Dies hat den Vorteil, dass wir in etwa hören wie es auf einer CD oder auf der Bühne klingen könnte. Der nächste Vorteil ist, das wir die Kompositionen so an unseren Notensetzer schicken können und anschließend gleich einstudieren.

erlebe-flensburg:
2001 habt ihr eine Radioversion von "Wenn sie tanzt" mit Schlagzeug, Gitarre und Keyboards aufgenommen. Wie kam es dazu?

Eddi Hüneke:
Das ist ein überwiegend vergessenes Experiment, aber ein Gedanke, der durchaus noch in uns schlummert. Es sind ja Lieder, die in der Anlage eigentlich Pop-Stücke sind und oft auch in unserem Kopf so klingen, die dann aber in der Darstellungsform in a-cappella umgesetzt werden. Wir hören aber auch oft die instrumentierten Versionen. Wir mögen es die Stücke auch so zu produzieren. Mal gucken, ob wir das auch mal wieder aufgreifen.

erlebe-flensburg:
Meine nächste Frage hast Du damit schon zum Teil beantwortet, nämlich ob so etwas Euch noch Mal reizen würde oder ob etwas in dieser Richtung eine einmalige Aktion war?

Eddi Hüneke:
Wir gucken immer mal wieder über den Tellerrand. 2007 und 2009 haben wir z.B. Projekte mit symphonischen Orchestern gemacht. So etwas reizt uns immer wieder.

erlebe-flensburg:
Auf Eurem letzten Album war das Stück Schiller (Anmerkung der Redaktion: Cover-Version von Thriller/Michael Jackson Komponist: Rodney L. Temperton). Muss man da den Komponisten um Erlaubnis fragen um es zu verwenden oder wie verhält sich das?

Eddi Hüneke:
Meistens ist es Dän, der Ideen hat für umgetextete Versionen, dieses Stück ist nicht die Erste. Er schreibt dann erst einmal den Text, weil ihm das leicht fällt. In dem Moment wo wir überlegen ob das nicht auch auf eine CD könnte, fragen wir den Verlag an und die haben zu unserer Freude ja gesagt.

erlebe-flensburg:
Da muss man sicherlich auch ein Demo der Version hinschicken?

Eddi Hüneke:
Genau, und eine Rückübersetzung. Das ist besonders lustig gewesen, als wir "Hit me baby one more time" eins zu eins ins Deutsche übersetzt haben "Schlag mich Baby noch ein Mal". Dann wollten die eine Rückübersetzung haben und dann haben wir das zurück übersetzt und das war fast wieder der original Text. Die wollen natürlich wissen worum es in dem Text geht.

erlebe-flensburg:
Das geht dann immer über den Verlag und man bekommt nicht den direkten Kontakt zum Komponisten?

Eddi Hüneke:
Das ist meistens der Fall. Wir erleben das mittlerweile selber. Unser Verlag wird von anderen a-cappella Bands angeschrieben "Wir würden gern Eurer Lied Showtime singen aber wir wollen den Text ändern". Dann schickt unsere Mitarbeiterin uns kurz eine Mail und dann gucken wir uns das an und sagen "ja, mach" und dann schreibt sie das zurück. Ich glaube wir hatten mal eine Genehmigung von Sting persönlich also von Gordon Sumner für "English Man in New York" auf unserer ersten CD. Meistens läuft das aber über den Verlag.

erlebe-flensburg:
Welches ist denn das populärste Stück von Eurem neuen Album "Klassenfahrt"?

Eddi Hüneke:
Ich neige dazu zu sagen "Im Flugzeug". Ein Titel der vielleicht so in Erinnerung bleibt. Aber das ist meine persönliche Meinung. "Hamlet" ist zum Beispiel auch wahnsinnig beliebt. "Latein" ist überraschend beliebt, obwohl es irgendwie sehr abgefahren ist. Es ist auch nicht so, dass es da "den" einen Hit gibt auf der CD.

erlebe-flensburg:
Wir wünschen Euch viel Spass beim Auftritt und alles Gute für die weitere Tour.

Eddi Hüneke:
Dankeschön!

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