25. November 2010 - 11:13 Uhr

Interview mit René Marik - Gewinnen Sie bei uns 2x2 Karten für seine Vorstellung am 11. Dezember in Flensburg

René Marik und der Maulwurf
René Marik (Foto: Benjamin Nolte)
Der Maulwurf mit dem Sprachfehler (Foto Benjamin Nolte)
Falkenhorst oder auch einfach nur "Froschn" (Foto:Benjamin Nolte)
Flensburg (alt) - Am Samstag, den 11. Dezember gastiert Renè Marik mit seinem Programm "KasperPop" in Flensburg. Wir hatten das Vergnügen mit dem äußerst sympathischen Puppenspieler, Schauspieler und Musiker aus diesem Anlass ein Gespräch führen zu können. Für diese Abendveranstaltung verlosen wir ebenfalls 2x2 Karten. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail mit Ihrem Namen, einer Telefonnummer und Ihrer Adresse an redaktion@erlebe-flensburg.de. Selbstverständlich werden Ihre Daten im Anschluss gelöscht - der Rechtsweg ist ausgeschlossen.



erlebe-flensburg:
Am 11. Dezember gastieren Sie im Deutschen Haus in Flensburg. Ihr letzter Auftritt hier war im Mai, das ist ja noch gar nicht so lang her. Hatten Sie die Gelegenheit ein paar Eindrücke von Flensburg zu bekommen?

Renè Marik:
Nicht wirklich. Auf der Tour fahre ich morgens aus einer anderen Stadt los und wenn ich dann Mittags irgendwann aufschlage wird aufgebaut und der Sound-Check gemacht. Richtig viel bekommt man von den Städten nicht mit. Was auch immer ein bisschen schade ist, aber es geht halt einfach nicht.


erlebe-flensburg:
Was macht die Faszination des Puppenspielens aus?

Renè Marik:
Die Faszination des Puppenspielens... Ich mag ja Puppen, die sag ich mal, unperfekt sind, die eben nicht alles können. Ich hasse zum Beispiel Marionetten, weil die so versuchen Mensch zu sein, oder versuchen alles zu können, was auch ein Mensch kann, wo ich dann denke naja, dann nimm doch gleich ein Mensch. Ich finde Puppenspielen so reizvoll, da die Zuschauer in so unfertige Dinge ganz viel hereinsehen und selber assoziieren müssen. Das es eben nicht wie bei Hollywood ist, wo alles so perfekt ist und man gar nicht mehr unterscheiden kann, was ist jetzt Realität und was ist Computer. Das Puppenspiel, zumindest das was ich mache, ist ja eher genau das Gegenteil. Ein Zwischending zwischen Lesen, wo alles im Kopf stattfindet und Hollywood, wo alles vorne schon fertig abgeliefert wird. Auf der einen Seite hat man als Zuschauer ganz viel Freiraum, um da selber noch Dinge hineinzusehen und da aber trotzdem so eine Welt entsteht.


erlebe-flensburg:
Wo bekommen Sie Ihre Inspiration her? Gibt es Vorbilder?

Renè Marik:
Direkte Vorbilder für das was ich tue eigentlich nicht. Ich bin auf jeden Fall bekennender Helge Schneider Fan und auch von Rainald Grebe. Die beiden vielleicht, trotzdem machen die ja etwas völlig unterschiedliches.


erlebe-flensburg:
Sind Sie vielleicht auch ein bisschen geprägt oder beeinflusst von Sendungen wie der Muppet-Show?

Renè Marik:
Nicht mehr als andere. Natürlich habe ich als Kind die Augsburger Puppenkiste geguckt und auch die Muppet-Show, aber ich kann jetzt nicht sagen, dass ich deshalb angefangen habe mit Puppen zu spielen.


erlebe-flensburg:
Wann sind Sie denn das erste Mal auf die Idee gekommen, dass dies etwas sein könnte was Sie interessiert?

Renè Marik:
Im Grunde ein paar Wochen bevor ich mich auf der Puppenschule, also der Hochschule beworben habe. Das war relativ spät etwa 1995. Da war ich ja dann auch schon 25.


erlebe-flensburg:
Wie sind denn Ihre Figuren entstanden?

Renè Marik:
Eigentlich alle sehr zufällig. Zum Beispiel den Maulwurf, den hat mal ein Kommilitone von mir gebastelt. Dann habe ich den ausprobiert und das hat mir irgendwie Spaß gemacht. Den Falkenhorst, den hatte ich noch, weil wir im Studium mal mit vier Kermit-Fröschen Romeo und Julia aufgeführt haben. Der Kalle, der Eisbär, war mal ein Kuscheltier von einer Freundin von mir. Das sind so Dinge die ich finde, ausprobiere und dann machen die mir entweder Spaß oder nicht.


erlebe-flensburg:
Wie gehen Sie mit Ihrem Erfolg um? Als diplomierter Puppenspieler kann man mit so einer Karriere ja eigentlich nicht rechnen.

Renè Marik:
Ja, das stimmt (lacht). Ich freue mich natürlich, dass es so läuft. Klar, man kann, wenn man anfängt Puppenspiel zu studieren, nicht davon ausgehen, dass man großartig Erfolg damit hat. Wenn es dann passiert, um so schöner. Aber letzten Endes mache ich das worauf ich Bock habe. Ich werde jetzt Kasperpuppen noch ein Jahr lang Spielen, dann muss ich aber auch mal wieder andere Dinge tun. Dann ist es auch wahrscheinlich ganz schnell wieder vorbei mit dem Erfolg, aber jetzt gerade finde ich das auch ganz schön. Ich begreife das als einen Beruf. Seit 1997 lebe ich davon, was ich auf der Bühne tue, jetzt gerade ein bisschen besser und vielleicht auch wieder irgendwann ein bisschen weniger gut. Davon ist es aber nicht abhängig. Ich werde auch in 10 Jahren noch auf der Bühne stehen. Ob nun mit Puppen, oder als Schauspieler, oder als Musiker und ob dann Erfolg da ist oder nicht wird man dann sehen, aber darauf kommt es nicht an.


erlebe-flensburg:
Das breite Publikum ist ja über youtube auf Sie aufmerksam geworden. Stellen Sie die Szenen aus Ihrem Programm immer noch dort ein? Oder überlassen Sie das inzwischen anderen?

Renè Marik:
Ich mache das selber nicht mehr. Ich habe ja auch das Erste nicht selber eingestellt, das war irgendjemand anderes, den kannte ich gar nicht. Dann habe ich gemerkt, auf einmal kommen ganz viele Leute in mein Programm und rasten aus, sobald ich diesen Pappturm irgendwie hinklebe. Dann habe ich noch diese vier Nummern eingestellt. Mittlerweile mache ich das aber nicht mehr.


erlebe-flensburg:
Sie waren ja mal in einer Punk-Band in Berlin aktiv. Wie viel Punk steckt in Ihrem Programm?

Renè Marik:
Ich hoffe immer noch ein bisschen. Punk ist ja schwer zu definieren... oder Anarchie vielleicht könnte man das so sagen. Ich hoffe noch genug. Das ist ja auch so eine Grundeinstellung, die ich ja dann nicht einfach ablege in dem Moment wo ich auf die Bühne gehe.


erlebe-flensburg:
Sie bauen auch musikalische Einlagen in Ihre Programme ein. Welche Rolle spielt die Musik für Sie auf der Bühne?

Renè Marik:
In erster Linie die, dass es mir halt Spaß macht. Der Hauptteil sind ja die Puppen. Von den 100 Minuten sind vielleicht 15 Musik. Das wird mir auch manchmal übel genommen von Leuten, die das aus youtube kennen und denken sie bekommen jetzt 100 Minuten lang Hage, Gage, den Maulwurf und den Frosch. Was mich aber extrem langweilen würde. Dann hätte ich wahrscheinlich schon längst damit aufgehört, weil mir das dann keinen Spaß mehr machen würde. Ich mache es einfach, weil es mir Spaß macht. Ich mache länger Musik, als ich mit Puppen spiele. Das ist einfach ein Teil von mir und der findet halt da statt. Da müssen dann die Leute durch. Ich glaube aber vielen gefällt das dann auch. Was es manchmal ein bisschen schwierig für die Leute macht ist, dass die Songs nicht witzig sind und auch nicht witzig gemeint sind. Man steckt heutzutage in so einem Format in einem Schubladendenken, dass man sagt "Wie, ich bin doch jetzt gerade in einem Comedy-Programm und jetzt ist gerade mal etwas nicht lustig gemeint, mir bleibt das Lachen im Hals stecken" und sich dann fragt wo der Witz ist, aber da ist gar kein Witz, was manche Leute vielleicht ein bisschen überfordert. Ich glaube es geht ja in erster Linie darum, dass man das tut worauf man selber Lust hat und dann haben andere Leute daran Teil oder auch nicht. Ich kann ja jetzt nicht versuchen den Leuten zu gefallen oder das zu machen was sie gerne sehen wollen. Dann macht man nicht mehr Kunst, sondern Kunstgewerbe und dann sollte man eher töpfern oder Makramee machen.


erlebe-flensburg:
Dann geht es sicherlich auch darum authentisch zu sein.

Renè Marik:
Es geht nicht darum "Oh ich muss jetzt authentisch sein" sondern ich glaube, dass es gar nicht anders geht. ich glaube, dass man nur gut in etwas sein kann, wenn man bei sich bleibt und nicht versucht irgendwelche Erwartungen zu erfüllen.


erlebe-flensburg:
Was tragen Sie denn als Berufsbezeichnung in Ihrer Lohnsteuerabrechnung ein?

Renè Marik:
Lohnsteuer mach ich ja gar nicht (lacht). Ich muss ja Einkommensteuer bezahlen.


erlebe-flensburg:
Die Einkommensteuererklärung... die meinte ich auch.

Renè Marik:
Bei der KSK (Künstlersozialkasse) bin ich mittlerweile als Puppenspieler geführt, wobei ich das auch schwer finde zu definieren. Das ist halt genau das Ding, dass ich eigentlich überhaupt kein Bock habe nur eine Sache zu machen. Auch wenn ich im Moment leider nicht dazu komme, werde ich bestimmt auch wieder als Schauspieler arbeiten, oder auch mal wieder an der Schule unterrichten oder Musik machen. Ich finde es eben gerade spannend sich nicht dem Fachidiotentum hinzugeben.


erlebe-flensburg:
Wir Danken Ihnen für das Gespräch, wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und einen schönen Abend in Flensburg


Das Interview mit Renè Marik führte Alexander Thomsen

Kommentare


comments powered by Disqus