18. Dezember 2008 - 22:44 Uhr

Alen Muratovic: „Wichtig ist die Mannschaft – das Kollektiv. Wir werden den THW schlagen!“

Alen Muratovic (Foto: Saemann)
Hinter der SG Flensburg-Handewitt liegt ein schwarzer Monat. Vor wir Wochen war die SG dem Tabellenführer aus Kiel noch dicht auf den Fersen. Niederlagen gegen den HSV Hamburg, Lemgo und Nordhorn warfen die SG im Rennen um die Champions League Plätze zurück, von der Meisterschaft ohnehin keine Rede mehr.

So demütigend die knappen Niederlagen der vergangenen Wochen auch sind, der Blick kann aktuell nur in eine Richtung gehen, nach vorne, es wartet am Samstagnachmittag das wohl schwerste und spannendste Spiel der Saison. Zu Gast in einer seit Monaten restlos ausverkauften Campushalle ist Tabellenführer THW Kiel. Zwischen dem Pokalaus gegen die Rhein-Neckar-Löwen am Dienstag und dem Bundesligaknüller gegen den Erzrivalen liegen nicht mal vier Tage. Es bestand dringender Gesprächsbedarf zwischen Vereinsführung, Trainer und Mannschaft. Sechs Mal mit nur einem Tor zu verlieren, da kann etwas nicht stimmen, sind es die Nerven? Sind es falsche Entscheidungen? Das sind Dinge die intern geklärt werden müssen. Gegen den THW Kiel muss die „alte“ SG wieder aufleben, die letzten Wochen für den Samstagnachmittag vergessen und den THW schlagen. An Motivation hat es beim Duell gegen den Erzrivalen noch nie gefehlt.

Zwei Tage vor dem Bundesliga-Krimi hatten wir zusammen mit Jörn Saemann von der Wochenschau die Gelegenheit Neuzugang Alen Muratovic im Restaurant „Macedonia“ zu treffen. Alen Muratovic, der momentan noch nicht sein volles Leistungspotential abrufen konnte, sprach mit uns über seinen Wechsel nach Flensburg, die Mannschaft und gab uns einen kleinen Einblick in sein Privatleben. Im Sommer wechselte der 29-Jährige aus Spanien an die Flensburger Förde und zog mit Freundinn Christina in die Wohnung von Joachim Boldsen.

Alen, wie fühlst du dich in Flensburg?

Es ist das erste Jahr für mich, für mich ist alles neu. Die Bundesliga ist ganz anders als die Liga Asobal, hier wird härter gespielt. Als ich nach Flensburg gewechselt habe, sprach ich kein Wort Deutsch, das war schwierig für mich. Nun geht’s besser und ich fühle mich auch im Team sehr wohl. Es ist ein sehr junges und neues Team, sieben neue Spieler, das ist zwar ein bißchen schwer, aber auch gut.
Flensburg ist eine kleine Stadt, nicht so wie zum Beispiel Hamburg, was ich gut finde. Wir haben hier alles was wir brauchen und fühlen uns sehr wohl.

Wie waren die letzten Spiele für dich?

Die Mannschaft spielt gut, aber wir haben momentan kein Glück, es ist bitter mit einem Tor zu verlieren. Für uns ist es jetzt aber wichtig nach vorne zu blicken, das kommende Spiel ist sehr wichtig für alle. Gegen die Rhein-Neckar-Löwen hatten wir in der zweiten Halbzeit kein Glück. Henning Fritz hat gleich drei Siebenmeter gehalten, er hat stark gespielt. Wir dürfen jetzt aber bloß nicht die Köpfe hängen lassen.

Samstag geht es gegen den THW…

Das Spiel gegen Kiel ist sehr ,sehr wichtig für uns, wir müssen dieses Spiel gewinnen, vor allem für die Stadt und für die Fans, Handball ist in Flensburg und dieser Region sehr wichtig. Aber es wird sehr schwer werden, Kiel spielt momentan sehr gut. Ein Vorteil für uns ist, dass wir zu Hause spielen. Wir müssen als ein Team auftreten, so das wir ein Kollektiv sind. Ich glaube fest daran, dass wir gewinnen, aber es wird sehr, sehr schwer.

Bisher hat dir Kent-Harry Andersson nicht die Spielzeiten gegeben, die du vielleicht gerne hättest, kannst du diese Entscheidungen verstehen?

Kent-Harry ist ein guter Trainer. Er ist zehn Jahre in der Bundesliga, er kann die Spieler sehr gut motivieren, er guckt immer nach vorne und denkt positiv. Für einen neuen Spieler ist es immer schwer, man sieht sich einer neuen Mannschaft und einem neuen System gegenüber. Das System hier ist anders, als in Spanien, das ist schwer für mich. Kent-Harry ist der Trainer und somit auch der Chef, ich respektiere seine Entscheidungen. Ich habe einen Vier-Jahres-Vertrag und bin jetzt erst knapp vier Monate hier, ich weiß, dass ich mehr kann und werde es zeigen. Für mich bin ich aber nicht ich am wichtigsten, sondern die Mannschaft als Ganzes ist wichtig. Wichtig ist das wir die Spiele gewinnen, ob ich dann 10 Minuten oder 20 Minuten spiele ist für mich dann egal, wichtig ist die Mannschaft.
Aber es ist für einen Spieler auch schwer, wenn er nur 5-10 Minuten spielt und dann alles geben muss. Man kommt von der Bank und muss von jetzt auf gleich perfekt sein. Ich denke, dass ich mehr Einsatzzeit brauche um besser ins Team zu kommen. Aber der Trainer sieht es besser, er weiß was gut für die Mannschaft, für das Team ist. Ich versuche in der Zeit, wo ich spiele immer 100 % zu geben. Aber es ist schwer für mich, die Liga, die Halle, die Sprache, alles ist anders und neu.

Wurde es nach dem Pokal-Aus gegen die Löwen in der Kabine laut?

Es ist normal, dass es auch mal laut wird und auch zu Recht würde ich sagen. Der Druck hier in Flensburg ist groß, die SG ist ein großer Club, da ist es normal, dass Spieler und Trainer immer unter Druck stehen. Aber es ist im Sport auch normal, dass man gewinnt und verliert.

Wie verlebst du die Feiertage? Hast du einen Weihnachtsbaum?

Da wir zwei Tage nach Weihnachten schon das nächste Spiel gegen Balingen haben, habe ich leider keine Zeit nach Hause zu fliegen, ich feier demnach mit meiner Freundin Christina hier in Flensburg. Mein Vater, meine Mutter und meine beiden Geschwister leben in Montenegro, die werde ich über Silvester besuchen. Meine Freundinn besucht ihre Familie in Spanien und am 11. Januar bin ich wieder zurück in Flensburg, da wir den Tag darauf wieder mit dem Training beginnen. Einen Weihnachstbaum haben wir nicht, aber vielleicht holt Christina mir ja noch einen (lacht).

Alen, vielen Dank für das nette und interessante Gespräch. Wir wünschen dir viel Erfolg gegen den THW Kiel und die kommenden Aufgaben und ein schönes Weihnachtsfest.

(Das Interview führten Benjamin Nolte und Jörn Saemann)

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