15. November 2008 - 0:00 Uhr

Interview mit Hans Werner Olm

Pressefoto Hans Werner Olm
Pressefoto Hans Werner Olm
Am 20. November kommt Hans Werner Olm mit seinem aktuellen Programm “Show must go OLM” ins Deutsche Haus in Flensburg. In Show must go OLM geht es wieder um den modernen Großstadtmensche, aber auch Luise Koschinsky wird im Deutschen Haus zu Gast sein und uns aus ihrem Leben erzählen. Hans Werner Olm sprach mit uns einige Tage vor dem Auftritt über seine Karriere, das aktuelle Programm und das was noch kommen wird...


erlebe-flensburg.de: Sie schlüpfen in Ihren Shows und Fernsehsendungen in die unterschiedlichsten Rollen, als „Iff“, „Günni“, „Der Berndchen“ oder „Luise Koschinsky“… wie entstanden diese Figuren oder Rollen?

Hans Wernen Olm:
Das sind ganz typische Figuren aus dem Leben. Das sind Figuren wie Luise Koschinsky, die ein bisschen neben dem Raum sind, das heisst eine Frau, die wie ein Mann spricht und Brüste hat, die riesig sind und ihrem Alter entsprechend eigentlich in die Unterhose gehören. Insofern ist das schon fast eine Zeichentrickfigur diese Luise Koschinsky.
Die anderen wie der Günni, ich komme aus der Ecke, die Jungs sind geradeaus, sprechen so, sind lustig, haben Mutterwitz. Genauso auch der Berndchen, der Bademeister, das kenne ich noch aus meiner Kindheit, da gab es genau solche Typen. Das waren so die Herrscher übers Freibad mit denen man sich gut stellen musste, um dann auch mal vom Siebenmeterturm springen zu dürfen. Von daher sind das ganz typische Figuren aus dem Leben, die ich versucht habe eins zu eins umzusetzen, was mir eigentlich ganz gut gelungen ist.


erlebe-flensburg.de: Sie waren Gründungsmitglied der Gebrüder Blattschuss und sind sogar 1978 als Straßenmusikant durch Europa gereist. Welche Rolle spielt Musik in Ihrem Leben?

Hans Werner Olm:
Eine ganz wichtige. Ich denke für jeden Menschen spielt Musik eine wichtige Rolle, da Musik Emotionen verbreitet. Das Wort an sich kann manchmal ziemlich hart sein, aber wenn man das mit Musik vermischt, bekommt es doch etwas Weiches, das heißt Worte sind Kopfsache, weil man immer nachdenkt wie hat er das gemeint. Musik sind Gefühle und Herz. Wenn man das miteinander verbinden kann, ist es gut. Ich habe früher Rockmusik gemacht, habe natürlich unendlich viele Platten gehört und die Rockgrößen meiner Zeit genossen und das ist einem im Blut, sage ich mal.
Das ist für mich fast sogar noch wichtiger als das Wort, wobei ich kein Musikkonsument in dem Sinne bin. Wenn ich zu Hause bin, ich habe noch viele alte Platten und sogar einen Plattenspieler, lege ich mal ein paar Scheiben auf, die ich lange nicht mehr gehört habe und verschaffe mir dadurch eine gute Stimmung. Ich glaube das macht jeder.


erlebe-flensburg.de: Spielen Sie auch selber Instrumente?

Hans Werner Olm:
Ja, ein bisschen Klavier, Gitarre, Bass-Gitarre, Mundharmonika, ein wenig Kleinkram, immer so halbwegs, dass ich damit weiter komme, aber hauptsächlich singe ich. Ich habe in den letzten 5 - 10 Jahren meine Stimme entdeckt und da ein bisschen dran gearbeitet. Wir haben hier in Berlin ein Projekt, das heißt “Sing Dein Ding”. Wir sind fünf Musiker, die sich immer treffen, unter einander austauschen und dann gehen wir quer durch die Pop- und Rockwelt. Dann erzähle ich zu diesen Songs kleine passende Geschichten, weil jeder von uns verbindet mit einem Titel, den er mag auch eine Geschichte, die ihn emotional berührt hat. Von Joe Cocker über Hot Chocolate, Georg Michael, Rolling Stones bis Robbie Williams, Take That oder Amy Winehouse träller ich alles. Ich traue mir das alles zu und meist gelingt mir das auch ganz prima. Ich entdecke neue Seiten an meiner Art mich zu exponieren und künstlerisch tätig zu sein und das wird auch gut angenommen. Allerdings bin ich natürlich nicht mehr in dem Alter, wo man als Popstar eine große Karriere machen kann, „dat is“ wohl vorbei. Singen entlädt wie ein Ventil was man aufmacht. Man fühlt sich danach ziemlich gut und locker.


erlebe-flensburg.de: Sie haben auch schon in einigen Filmen wie „Der kleine Eisbär“ oder „Robots“ Figuren Ihre Stimme verliehen. Ist die Synchronisation eine besondere Herausforderung oder liegt Ihnen das?

Hans Werner Olm:
Das macht einfach nur Spaß. Ich finde es toll Zeichentrickfiguren meine Stimme zu leihen.
Diese kommen meist aus Amerika und werden von Weltstars synchronisiert. Dass ich hier die Ehre habe, denen meine Stimme zu geben finde ich natürlich toll.


erlebe-flensburg.de: Was sind die Ziele eines Hans Werner Olm, der in der Comedyszene schon fast alles erreicht hat? 2005 gab es den deutschen Comedypreis für den Film 7 Zwerge, kann man das noch toppen?

Hans Werner Olm:
Ich denke schon, wir haben mittlerweile einen großen Comedy-Bereich. Es gibt sehr viel Comedy im Augenblick und ich habe manchmal ein bisschen Angst, dass die Leute zu satt werden, weil jeder der ein Witz erzählt, erhält mittlerweile eine eigene Fernsehshow. Was auch nicht schlimm ist, wir haben nur leider begrenzte Sendeplätze, darin liegt das Problem und dann gibt es auch noch das Internet zum austoben. Zwei/drei Wünsche habe ich dennoch, Dinge, die ich gerne einmal machen möchte sind zum Beispiel: Einen eigenen Kinofilm machen und dann gibt es noch ein paar bestimmte Orte, wo ich gern mal auftreten würde. Mit dem Programm, welches ich für das nächste Jahr Plane, der “Olm - Knall” möchte ich ein super frisches, schönes Programm auf die Bühne bringen und zusätzlich will ich Gesund bleiben, das ist alles. Große Wünsche habe ich nicht, sondern man muss ja auch ein bisschen sehen wie der Trend gerade läuft, was angesagt ist und sich dann ein klein wenig darauf einstellen. Wobei man seinen eigenen Stil nicht verlieren darf, das ist natürlich auch ganz wichtig. Man ist keine 25 mehr, wo man frisch, fröhlich, frei loslegt. Comedy ist ein ernstes Geschäft, wo man sich Gedanken darüber machen muss, was bringt man als nächstes, was möchte ich überhaupt noch bringen und was habe ich schon alles gemacht. Ich habe mittlerweile schon 20 Programme auf dem Buckel, wo ich wirklich viel erzählt habe. Viel mehr Themen gibt es da eigentlich gar nicht, diese Themen kann man nur noch variieren und auf den Jetztstand bringen, dann funktioniert das auch ganz gut. Aber ich sehe keine Ängste, was die Zukunft angeht. Solange ich noch Spaß habe und den Spaß möchte ich um Gottes Willen nicht verlieren, wenn das so weit ist, dann sollte man vielleicht wirklich damit aufhören. 


erlebe-flensburg.de: Worum geht es in Ihrem aktuellen Bühnenprogramm, können Sie unseren Lesern kurz beschreiben, warum man es sich unbedingt ansehen sollte?

Hans Werner Olm:
Es geht einmal um Großstattmenschen, die durchs Leben torkeln auf der Suche nach Schönheit, nach Sex, nach Geld, aber aufpassen müssen sich nicht selber dabei zu verlieren und nicht mehr zu wissen wer sie selber sind. Das ist für mich auch ein großes Anliegen, den Leuten einfach ein bisschen Selbstbewusstsein einzuimpfen und zu sagen, egal wie ihr ausseht, egal wo ihr herkommt, seid darauf stolz wer ihr seid und lasst Euch nicht unterbuttern. Ich versuche auch mit diesen Texten ein bisschen Stärke rüberzubringen, nur das müssen die Leute eben auch lernen. Bei mir geht‘s einfach darum, dass ich mich des Alltags annehme, Sozialstudien betreibe, wie wir zum Beispiel miteinander umgehen. Es braucht nicht die große Weltpolitik, die eh keiner versteht zu sein, sondern ich finde, dass wir in unserem kleinen Umkreis wie Familie, Umwelt, Ehe, Kinder usw., miteinander klarkommen, dann wird auch die große Politik funktionieren. Es ist mein Anliegen, dass wir im Kleinen miteinander klarkommen. Und natürlich auch, dass ich mich über Eitelkeiten von Persönlichkeiten lustig zu machen versuche, die meinen besonders zu sein und das sind sie alle letztendlich gar nicht. Ich nehme den Menschen und mich selber auch auf die Schippe und hinterfrage, sind wir wirklich so toll? Oder haben wir nicht alle kleine Fehler mit denen wir lernen sollten zu leben.
Das ist so das Grundding. Luise Koschinsky wird in meinem Programm auch dabei sein, logischerweise! Luise ist gerade auf Mannsuche, muss man dazusagen. Es ist jetzt Herbst und sie möchte natürlich einen Kerl kennenlernen, vielleicht wird sie den ja auch in Flensburg finden, einen alten Seemann oder einen Dänen und wird dann oben im Norden bleiben. Ich war ja auch vor einem Jahr in Flensburg, da kennen mich die Leute sicherlich noch, die ins Deutsche Haus kommen.


erlebe-flensburg.de: Vielleicht noch ein paar Worte zu der vor kurzem erschienenen DVD? (DVD zur Fernsehserie auf PRO 7 – Olm unterwegs)

Hans Werner Olm:
Ja, da kann ich was zu sagen. Auf der Doppel-DVD sind die besten Nummern aus der letzten Staffel “Olm Unterwegs” bei Pro7. Da sind unter anderem Luise Koschinsky, Paul Schrader der Frauenkenner, der kranke Kalischewski, der seinen Körper jedes Mal verhökern will, dabei. Es sind alles recht positive Figuren. Als Bonbon gibt es einen Riesen Bonus-Track von über einer Stunde, wo Filme von mir aus den siebziger Jahren mit dabei sind. Erste Videos, die ich gemacht habe und ein Tour-Zusammenschnitt von 2008. Insgesamt sind das vier/fünf Stunden Material auf den beiden DVDs. Passt auch schön zu Weihnachten, da kann man sich herrliche Abende machen ohne auf das Fernsehprogramm angewiesen zu sein.


erlebe-flensburg.de: Waren Sie schon einmal in Flensburg und was verbinden Sie mit Flensburg?

Hans Werner Olm:
Der Punktekatalog ist das Erste und dass man in Flensburg oder kurz vor Flensburg, je nachdem aus welcher Richtung man kommt, die See hat, welche sehr schön ist. In Flensburg wird das Tor zu Dänemark aufgemacht, ein recht liberales Land. Flensburg hat eine ganz süße Innenstadt, wie ich finde und diesen kleinen Hafen finde ich auch toll. Und eben so bräsig Norddeutsch, wenn man Norddeutsche als Freunde hat, dann hat man die für‘s Leben. Norddeutschland mag ich sowieso sehr gerne. Ich verbinde ein gutes Gefühl mit Flensburg, überhaupt mit der ganzen Ecke. Es ist lebenswert finde ich, kühl Norddeutsch und nicht so überhitzt.


erlebe-flensburg.de: Zum Schluss eine Frage, die man nicht ganz so ernst nehmen sollte: Muss man als gebürtiger Bochumer Currywurst mögen?

Hans Werner Olm:
Nein muss man nicht! Ich denke mir, eine Currywurst einmal im Monat macht Spaß. Der Grönemeyer hat ja mal über die Currywurst gesungen und sie ist ja nun mal so eine Art Fastfood der ersten Stunde, diese Currywurst. Man weiß ja nur nicht, was da rein kommt. Wenn man das rausbekommt und weiß was da reinkommt, dann kommt derjenige irgendwo rein wo er nicht mehr rauskommt. Ich finde Currywurst klasse, schön scharf und in Bochum gibt es die beste Wurst bei Dönninghaus, kann ich nur jedem empfehlen.


erlebe-flensburg.de: Es hat mich sehr gefreut, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben.

Alexander Thomsen

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